31.08.2007 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Kreiswehrersatzamt: Grundsätzlich ist jeder dran Wehrdienst für alle?

Rekruten der 7. Kompanie des Logistikbataillons aus der Pfreimder Oberpfalzkaserne beim Gelöbnis in Pirk (Kreis Neustadt/WN). Das Thema Wehrgerechtigkeit wird auch in der Oberpfalz diskutiert. Archivbild: Wilck
von Uli Piehler Kontakt Profil

"Einfach so fällt keiner durch das Raster", sagt der Chef des Kreiswehrersatzamtes Weiden, Martin Bauer. Er widerspricht damit Medienberichten, wonach junge Männer im wehrdienstfähigen Alter nur noch willkürlich zur Bundeswehr einberufen würden.

Im Zuständigkeitsgebiet des Kreiswehrersatzamtes Weiden (nördliche Oberpfalz und östliches Oberfranken) erhielten nach Bauers Angaben im vergangenen Jahr etwa 1100 Männer einen Einberufungsbescheid. Grundsätzlich werde jeder gemustert. Allerdings sei das Kriterium "wehrdiensttauglich" in den zurückliegenden Jahren erheblich verschärft worden. "Früher wurden auch noch die Dreier einberufen", erklärt Bauer. Jetzt ist nur noch tauglich, wessen körperliche Verfassung mit Eins oder Zwei benotet wurde.

Laut Wehrbeauftragten des Bundestages, Reinhold Robbe (CDU), wurden von den Männern des Jahrgangs 1980 rund 440 000 Wehrpflichtige erfasst. 31 Prozent leisteten den Wehrdienst, 32 Prozent verweigerten den Dienst, drei Prozent wandten sich sonstigen Diensten (Katastrophenschutz, Entwicklungsdienst) zu und 34 Prozent wurden entweder ausgemustert oder aus anderen Gründen vom Dienst befreit.

Der Gesetzgeber hat eine Reihe von Befreiungsgründen vorgesehen. So muss nicht zur Bundeswehr, wer verheiratet ist. "Das war früher mal anders", erklärt Bauer. Wer zwei Geschwister hat, die bereits Dienst leisten, ist nach wie vor automatisch vom Wehrdienst befreit. Das Höchstalter für die Einberufung sank auf 23 Jahre. Und wer zurückgestellt worden ist, kann höchstens bis Ende des 25. Lebensjahres einberufen werden. "Das alles hat dazu geführt, dass viele junge Männer nicht einrücken müssen", sagt der Amtschef.

Die Zahl der Verweigerer steigt unterdessen. Nach Auskunft des Bundesamtes für Zivildienst stellten im vergangenen Jahr 17 951 Männer aus Bayern einen entsprechenden Antrag. Im ersten Halbjahr dieses Jahres waren es bayernweit bereits 10 164. In der nördlichen Oberpfalz gibt es rund 450 Zivildienstplätze. Etwa 200 davon sind aktuell besetzt.

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