13.08.2014 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Kreml schickt Hilfskonvoi los, doch Kiew akzeptiert nur das Rote Kreuz Ukraine traut Russland nicht über den Weg

Trotz der dramatischen humanitären Lage in der umkämpften Ostukraine will die Regierung in Kiew einen russischen Konvoi mit Hilfsgütern nicht ohne internationale Aufsicht ins Land lassen. Die Medikamente und Lebensmittel müssten an der Grenze auf Lastwagen des Roten Kreuzes umgeladen werden, forderte der Vizechef der ukrainischen Präsidialverwaltung, Waleri Tschaly.

Noch mitten in der Nacht startete der Hilfskonvoi in Alabino bei Moskau. Kiew misstraut der russischen Hilfsbereitschaft und will nur Lastwagen des Roten Kreuzes ins Land lassen. Bild: dpa
von Agentur DPAProfil

Kiew befürchtet, dass Moskau unter dem Deckmantel einer humanitären Hilfsaktion Waffen für prorussische Separatisten ins Krisengebiet schmuggeln könnte. "Wir werden keinen russischen Konvoi auf ukrainisches Staatsgebiet lassen", sagte Tschaly. "Jedes unsanktionierte Betreten des Territoriums der Ukraine ist ein Akt der Aggression", warnte er.

Auf 280 Lastwagen

Andrej Lyssenko vom nationalen Sicherheitsrat in Kiew warf der russischen Regierung vor, mit dem Konvoi schweres Kriegsgerät in die Ukraine schmuggeln zu wollen. Russlands Außenministerium teilte mit, es sei mit der Ukraine abgesprochen, dass die Güter an der Grenze dem Roten Kreuz übergeben würden. Russland hatte den Konvoi mit 2000 Tonnen Hilfsgütern auf 280 Lastwagen - darunter nach russischen Medienberichten Medikamente, Nahrung und Stromgeneratoren - in der Nacht zum Dienstag auf den Weg geschickt. Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) teilte mit, es gehe bei der Mission um seine Unabhängigkeit und Glaubwürdigkeit. "Voraussetzung für das IKRK zur Mitarbeit an der neuen russischen Mission ist, dass die Hilfsgüter an uns übergeben werden, damit wir sie prüfen können", sagte Rot-Kreuz-Sprecher Andre Loersch der Deutschen Welle.

Andrej Purgin, der Anführer der prorussischen Separatisten in der ostukrainische Großstadt Lugansk, warf der Regierung in Kiew vor, alles zu tun, um die Lieferung nach Lugansk zu verhindern. Die Lage dort gilt als besonders dramatisch. Der Ort ist seit Tagen von der Wasser- und der Stromversorgung abgeschnitten.

Will der Westen frieren?

Derweil stimmte das ukrainische Parlament in erster Lesung für ein Sanktionspaket gegen Russland. Die Oberste Rada nahm eine von Regierungschef Arseni Jazenjuk vorgelegte Liste von 65 Firmen und 172 Einzelpersonen aus Russland und anderen Staaten an. Unklar war zunächst, ob Strafmaßnahmen die Energieunternehmen Gazprom und Transneft betreffen. Dies könnte einen Stopp russischer Öl- und Gaslieferungen nach Westeuropa zur Folge haben.

Die Bundesregierung und die EU warnen Kiew mit Nachdruck vor einem möglichen Lieferstopp von russischem Öl und Gas nach Westen. Moskau werde einen solchen Schritt Kiews nicht unbeantwortet lassen, drohten kremlnahe Politiker. Igor Morosow vom Auswärtigen Ausschuss des Föderationsrates in Moskau meinte, dass der Westen "sicher nicht frieren" wolle.

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