Kultusminister soll 830 Stellen einsparen - Demonstration in Regensburg
Bayern setzt Rotstift an: Weniger statt mehr Lehrer

Rund 350 Lehramtsstudenten machten auf dem Neupfarrplatz in Regensburg auf die Misere der Lehramtsanwärter aufmerksam. Viele von ihnen warten vergeblich auf eine Anstellung, weil zum Beispiel von 800 Referendaren für die bayerischen Gymnasien, die im Februar mit ihrer Ausbildung fertig sind, nur 170 in den Staatsdienst übernommen werden. Bild: Gibbs

(dpa/gib) Die Staatsregierung kürzt erstmals seit Jahren Lehrerstellen. Zum 1. August 2014 sollen 830 Stellen wegfallen, wie das Kultusministerium am Wochenende mitteilte. Minister Ludwig Spaenle (CSU) muss nun doch noch einen Teil der Lehrerstellen abgeben, die er eigentlich wegen der kontinuierlich zurückgehenden Schülerzahlen schon vor Jahren hätte abliefern sollen.

Im Stellenplan für 2014 sind noch insgesamt 86 078 Lehrerstellen ausgewiesen - 2013 waren es noch 86 910. Ein Teil der sogenannten "demografischen Rendite" soll den Schulen aber durchaus erhalten bleiben, wie Spaenle am Samstag am Rande des kleinen CSU-Parteitags in München sagte. Dabei handelt es sich laut Kultusministerium um 497 Stellen, die für den Ausbau der Ganztagsschulen (397 Stellen) und die Inklusion behinderter Kinder (100 Stellen) an den Regelschulen gedacht sind.

Spaenle will sich bei den Verhandlungen mit Finanzminister Markus Söder (CSU) für die Lehrerjobs einsetzen. "Ich hoffe, dass der Nachtragshaushalt noch Ergebnisse bringt", sagte der Münchner CSU-Bezirksvorsitzende.

Die meisten Stellenstreichungen sind an Grund- und Mittelschulen vorgesehen, aber auch Gymnasien, Realschulen und Förderschulen sollen Lehrer einbüßen. Gut 50 Stellen mehr sind dagegen für die verschiedenen beruflichen Schulen eingeplant.

Die letzte große Runde von Stellenstreichungen im Kultusministerum gab es in den Jahren 2004 bis 2007, dies brachte der Staatsregierung damals scharfe Kritik ein. Da die Staatsregierung in den vergangenen Jahren wieder mehrere tausend zusätzliche Lehrer angeheuert hat, werden trotz der Kürzungen im nächsten Schuljahr immer noch knapp 3800 Lehrerstellen mehr in Spaenles Haushaltsplan stehen als zu seinem Amtsantritt 2008.
Politisch sind Stellenkürzungen aber trotzdem sehr heikel - insbesondere da derzeit viele Junglehrer in Bayern keine Jobs finden. Die Staatsregierung will ihrerseits den Ganztagsschulausbau fortsetzen und kleine Schulen auf dem Land erhalten. Beides erfordert nach Einschätzung der Opposition mehr und nicht weniger Personal.

Der Vorsitzende des Bildungsausschusses im Bayerischen Landtag, Martin Güll, lehnt die geplante Streichung von 830 Lehrerstellen im Freistaat denn auch strikt ab: "Für den Ausbau der Ganztagsschulen, die bessere individuelle Förderung von Schülern und die Inklusion von behinderten Kindern brauchen wir sogar mehr Lehrer. Ich sehe keine Möglichkeit, wie diese auch von Ministerpräsident Seehofer großspurig angekündigten Maßnahmen mit weniger Personal umgesetzt werden könnten." Noch vor der Landtagswahl habe sich Kultusminister Spaenle dafür feiern lassen, dass Bayern viele neue Lehrkräfte einstelle.

Kein Verlass auf Prognosen

Am Samstag haben rund 350 angehende Lehrer in Regensburg am Neupfarrplatz ihrem Frust über die Perspektivlosigkeit ihres Studiengangs und falsche Lehrerbedarfsprognosen mit einem Flashmob - organisiert über Facebook - Luft gemacht. Sie stellten sich in lSchlangen auf, als Symbol dafür, dass sie für eine freie Stelle Schlange stehen. Von den 800 Referendaren für die Gymnasien in Bayern sollen nur 170 übernommen werden. (Kommentar und Seite 4)
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