19.08.2014 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Liberia droht Ausbreitung von Ebola - Schießbefehl an der Grenze Vor dem Sturz ins Chaos

Die Flucht von Ebola-Patienten aus einer Isolierstation am Wochenende schürt in Liberia die Angst vor einer weiteren Ausbreitung der Epidemie. Bewohner der dicht besiedelten Armensiedlung West Point in der Hauptstadt Monrovia hatten Kranke mit nach Hause genommen.

Ein Krankenhausmitarbeiter misst die Temperatur von Menschen im liberianischen Clay Junction. Nachdem Patienten aus einer Quarantänestation befreit wurden, befürchten die Behörden nun eine unkontrollierbare Ausbreitung von Ebola. Bild: dpa
von Agentur DPAProfil

Viele Menschen dort werfen der Regierung vor, die Patienten nicht ausreichend zu versorgen. So berichtete eine Frau der Zeitung "Front Page Africa", ihr kranker Mann habe trotz Anrufen bei verschiedenen Stellen tagelang keine Hilfe bekommen, bis er gestorben sei.

In dem Slum nahe des Zentrums der Hauptstadt leben etwa 75 000 Menschen. Am Donnerstag hatte das Gesundheitsministerium angekündigt, das Areal unter Quarantäne zu stellen. Am Samstag hatte dann eine aufgebrachte Menge das Krankenhaus gestürmt und geplündert.

Die Situation in der Siedlung war Augenzeugen zufolge chaotisch: "Während ich spreche, ist die Polizeistation menschenleer. In West Point gibt es im Moment keine Sicherheit", zitierte "Front Page Africa" einen Bewohner.

Gefährliche Gerüchte

Zusätzlich erschweren Gerüchte den Kampf von Helfern gegen das Virus: So gehen viele Liberianer davon aus, die Krankheit sei nur eine Erfindung der Regierung. Andere Gerüchte beschuldigen die Helfer unter anderem des Organraubs. An der geschlossenen Grenze zu Sierra Leone erhielt die Armee laut einem Bericht der lokalen Zeitung "Daily Observer" die Anweisung, jede Person in Sichtweite zu erschießen, die illegal das Land betreten wolle. Das Blatt beruft sich auf den stellvertretenden Stabschef. Mit der Anordnung soll dem Bericht zufolge die Einreise von potenziell an Ebola erkrankten Menschen verhindert werden.

413 Todesopfer

In Liberia wütet die Ebola-Epidemie seit Monaten besonders heftig: In dem westafrikanischen Land gab es nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bis zum 13. August 786 bestätigte und Verdachtsfälle, 413 Menschen starben an der Krankheit - die Regierung hatte am 6 August einen dreimonatigen Ausnahmezustand verhängt. Insgesamt sind in den betroffenen Ländern Guinea, Liberia, Sierra Leone und Nigeria bis Mittwoch mehr als 1100 Menschen an Ebola gestorben.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Nachrichten per WhatsApp