01.12.2004 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Majeda Husni al-Batch bewirbt sich als unabhängige Kandidatin um Präsidentenamt - PLO-Chef ... Eine Frau stört Palästinas Herrenriege

von Alexander Pausch Kontakt Profil

Majeda Husni al-Batch schwimmt gegen den Strom. Die Jerusalemerin bewirbt sich als einzige Frau um die Nachfolge des verstorbenen Palästinenser-Präsidenten Jassir Arafat. Damit löst sie nicht bei allen Freude aus: "Einige Leute sagen mir klipp und klar: ,Wir können eine Frau als Kandidatin nicht akzeptieren'." Davon lässt sich die 47-Jährige nicht entmutigen. Sie will ein Zeichen setzen, für die Frauen und für ihre Heimatstadt Jerusalem.

Al-Batch lebt in der Altstadt von Jerusalem. Dort ist sie auch geboren und aufgewachsen, zusammen mit sieben Brüdern und Schwestern. Das Studium an den Universitäten in Moskau und Leningrad schloss sie im Jahr 1984 mit einem Master in Rundfunk-Journalismus ab. Zunächst arbeitete sie für verschiedene arabischen Zeitungen und Magazine sowie die US-Fernsehsender NBC und CBS. Seit 1990 ist sie mit Unterbrechungen Journalistin bei der französischen Nachrichten-Agentur AFP (Agence France Press).

Fellow in Harvard

Im Jahr 1990 wurde Al-Batch mit dem Nieman Scholarship Award für herausragenden Journalismus im Nahen Osten ausgezeichnet. Zudem wurde sie für ein Jahr Fellow an der Harvard Universität in den USA. Für die Zeit ihrer Kandidatur hat die Journalistin ihre Arbeit bei AFP beendet.

Mit Majeda Husni al-Batch bewirbt sich schon zum zweiten Mal eine Frau um das palästinensische Präsidentenamt. Bei den letzten und bislang ersten Wahlen im Jahr 1996 war der einzige Gegner des damaligen PLO-Chefs Jassir Arafat eine Frau. Sie erhielt 9,6 Prozent der Stimmen. "Wir sind weiter als die Vereinigten Staaten", sagte deshalb der Jerusalemer Historiker Albert Aghazarian. Dort habe es noch nie eine Präsidentschaftskandidatin gegeben.

Augenzwinkernd nennt er Al-Batch ein palästinensischer "Ralf Nader". Trotz all der Schwierigkeiten, mit denen sie konfrontiert werde, sei ihre Kandidatur zumindest eine Botschaft für den "vergessenen Fall Jerusalem", betonte Aghazarian bei der Vorstellung der Kandidatin am Sonntag im Hotel "Ambassador" in Ost-Jerusalem: "Es ist immer besser, es zu versuchen, als abseits zu stehen."

Die Hürden sind hoch. Nur neun Tage blieben den unabhängigen Kandidaten, um die geforderten 5000 Unterschriften von Unterstützern einzureichen. Zudem müssen sie eine Registrierungsgebühr von 3000 US-Dollar zahlen. Laut Informationen der israelischen Zeitung "Haaretz" haben dies noch nicht alle acht Bewerber getan.

Es ist nicht zu übersehen, dass die Bedingungen so gesetzt wurden, um die Chancen des Bewerbers der Fatah, der größten Gruppe innerhalb der PLO, zu erhöhen. Angesichts der vierzigtägigen Trauerzeit für den

am 11. November verstorbenen Jassir Arafat können unabhängige Kandidaten kaum für sich werben. Zudem behindern israelische Kontrollen und Straßensperren innerhalb der besetzten Westbank und des Gaza-Streifen die Bewegungsfreiheit. Das erschwert die Arbeit der Kandidaten.

Favorit bei den Wahlen am 9. Januar für das höchste Amt der Palästinensischen Autonomiebehörde ist der Fatah-Kandidat, der 69-jährige Mahmud Abbas. Der neue Chef der Palästinensischen Befreiungsbewegung (PLO) würde nach einer Umfrage, die die "Jerusalem Post" am Montag veröffentlichte, 41 Prozent der Wählerstimmen erhalten. Der prominente 50 Jahre alte Arzt und Menschenrechtsaktivist Mustafa Barguti liegt bei 22 Prozent, die übrigen Bewerber bei einstelligen Werten. Befragt wurden am Mittwoch und Donnerstag 2719 Palästinenser. Die Fehlerquote liegt bei vier Prozentpunkten.

Zusätzlichen Auftrieb erhält Abbas dank der Unterstützung durch den in Israel inhaftierten und als Terrordrahtzieher verurteilten Marwan Barguti. Der bei Palästinensern beliebte Fatah-Führer verzichtet auf eine Kandidatur und ruft zur Wahl des PLO-Chefs auf. Dieser bot ihm für den Fall eines Sieges das Stellvertreteramt an.

Gegen Korruption

Damit dürfte es dem einzigen ernsthaften Konkurrenten des PLO-Chefs, Mustafa Barguti, noch schwerer fallen, den Vorsprung einzuholen. Daran dürfte auch seine Kampagne gegen die innerhalb der Regierung weit verbreitete Korruption nichts ändern.

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