Mann aus Oberbayern wird in China nach dem Mord an zwei Menschen zum Tode verurteilt
Deutscher in der Todeszelle

Wegen eines Doppelmordes sitzt ein Mann aus Bayern seit 2011 in Xiamen im Gefängnis. Ob er hingerichtet wird, ist derzeit noch unklar. Bild: dpa

Zum ersten Mal wurde in China die Todesstrafe gegen einen Deutschen verhängt. Der 36-Jährige war wegen Doppelmordes an seiner ehemaligen Freundin und deren Lebensgefährten angeklagt. Sein Anwalt sagte am Mittwoch, das Mittlere Volksgericht der Stadt Xiamen habe das Urteil in erster Instanz gefällt. Es muss allerdings noch vom Obersten Gericht in Peking bestätigt werden.

Der Mann aus dem oberbayerischen Teisendorf im Chiemgau hatte laut Anklage im Juni 2010 seine frühere Freundin aus Münchner Studententagen und deren neuen Freund auf offener Straße in der Stadt Xiamen mit einem Hammer und einem Messer umgebracht. Der getötete Mann war ebenfalls Deutscher. Die Freundin stammte aus Venezuela.

Das Gerichtsverfahren war schon vor drei Jahren abgeschlossen worden. Seit Sommer 2011 wartete der 36-Jährige auf das Urteil. Ob er in Berufung gehen wird, ist unklar. Chen Liqun, der chinesische Anwalt des Mannes, sagte: "Er hat selbst noch keine Entscheidung getroffen." Die Berufung müsste innerhalb von zehn Tagen eingereicht und vom obersten Gericht der Provinz Fujian verhandelt werden. Auf jeden Fall muss das Urteil vom höchsten Gericht in Peking bestätigt werden. Auf die Frage, ob der Deutsche hingerichtet wird, sagte der Anwalt: "Es ist zunächst ein Urteil in erster Instanz." Er versicherte, der Angeklagte sei keinen besonderen Handel mit dem Gericht eingegangen.

Seehofer zu Besuch

In München ist die Staatsregierung eingeschaltet: "Wir stehen dazu in engem Kontakt mit dem Auswärtigen Amt", sagte eine Sprecherin des Justizministeriums. "Das Bayerische Staatsministerium der Justiz teilt die ablehnende Haltung der Bundesregierung in Bezug auf die Todesstrafe uneingeschränkt und begrüßt die intensiven Bemühungen des Bundes, die Todesstrafe in diesem Fall abzuwenden", hieß es in der kurzen Stellungnahme weiter. Für Oktober ist ein Besuch von Ministerpräsident Horst Seehofer in China geplant.

Motiv des Doppelmordes war mutmaßlich Eifersucht. Der Mann soll seine ehemalige Freundin und ihren Lebensgefährten vor den Haupteingang eines großen Luxushotels gelockt haben. Augenzeugen berichteten, er habe maskiert den beiden auf offener Straße aufgelauert und sie getötet. Mehrere Menschen befanden sich in unmittelbarer Nähe. Die junge Frau soll noch auf den Knien um Gnade gefleht haben, bevor sie vom Angeklagten getötet wurde. Als Waise blieb ein inzwischen sechs Jahre altes Kind zurück, dass heute bei Verwandten in Deutschland aufwächst.

Als Stalker verfolgt

Der Täter und seine Ex-Freundin hatten an der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität gemeinsam Sinologie studiert. Sie trennte sich im Sommer 2005 von ihm. Er soll die Trennung nicht überwunden haben und begann sie als Stalker zu verfolgen, wie Freunde berichteten. Nach unbestätigten Angaben aus dem Bekanntenkreis bedrohte er sie mehrfach, sie soll sich deswegen sogar hilfesuchend an die Münchner Polizei gewandt haben. 2006 zog sie nach Xiamen, eine lebendige Hafenstadt im Südosten Chinas. Mit ihrem neuen deutschen Lebensgefährten bekam sie ein Kind.

In China kann eine Todesstrafe auch auf Bewährung verhängt werden, was in eindeutigen Mordfällen aber ungewöhnlich wäre. Meist wird die Strafe dann nach zwei Jahren in lebenslange Haft umgewandelt.
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