11.02.2004 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Margaretha Prandls großer Tag in Tirschenreuth "Soll ich auch aufstehen?"

Margaretha Prandl drückt bei der Ordensverleihung aufs Tempo. Der "Small-Talk" nach der Übergabe dauert ihr ein bisschen zu lange. "Jetzt wird es Zeit, dass ich wieder heim komme", sagt sie. Ihre beiden Brüder Anton und Michael warten schon.

Margaretha Prandl mit ihrem Orden. (Bild: Piehler)
von Uli Piehler Kontakt Profil

Am Dienstag um 11 Uhr ist es soweit: Margaretha Prandl (74) bekommt von Regierungspräsident Dr. Wilhelm Weidinger das Bundesverdienstkreuz am Bande ausgehändigt.

Seit 23 Jahren pflegt sie zu Hause in Wondreb (Kreis Tirschenreuth) ihre zwei schwer behinderten Brüder. Weil sie die beiden nicht länger als zwei Stunden allein lassen kann, verlegte der Regierungspräsident die Ordensverleihung von Regensburg nach Tirschenreuth (wir berichteten).

Gewöhnlich geht die 74-Jährige zu Fuß, wenn sie im sechs Kilometer entfernten Tirschenreuth etwas zu erledigen hat - diesmal wird sie chauffiert. Ortssprecher Hans Zölch persönlich fährt sie zum Ehrungstermin im Tirschenreuther Landratsamt. Im Besprechungszimmer von Landrat Karl Haberkorn herrscht bereits Gedränge: Bürgermeister Franz Stahl ist gekommen und Stadtrat Heinrich Bayreuther, der sie für die hohe Auszeichnung vorgeschlagen hat. "Retl", sagt er, "du hast diese Anerkennung verdient".

"Vorbild für andere"

Es gibt Sekt mit Orangensaft. Die Politiker sprechen über Städtepartnerschaften, Delegationen und Flugreisen. Dann erhebt sich der Regierungspräsident: "Frau Prandl, wir sind heute wegen ihnen zusammen gekommen." Die 74-jährige ist verunsichert. "Soll ich auch aufstehen?", fragt sie den Ortssprecher, der neben ihr sitzt. "Nein, nein", sagt der. "Bleib nur sitzen." Weidinger spricht weiter: "Ihr selbstloses Engagement macht sie zu einem bewundernswerten Vorbild für andere", sagt der höchste Beamte des Bezirks.

"Die bleiben nicht allein"

Margaretha Prandl hört aufmerksam zu, ihre Augen sind auf einmal wässrig. Landrat Haberkorn überreicht ihr noch einen Strauß mit rosaroten Rosen, Bürgermeister Stahl ein Buch über die Stadt Tirschenreuth. "Ich habe gehört, sie würden gerne mal mit dem VdK verreisen", sagt Stahl. "Wir würden uns in der Zeit um ihre beiden Brüder kümmern." Das kategorische Nein von Margaretha Prandl kommt wie aus der Pistole geschossen: "Die bleiben nicht allein."

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