Maria Geiss-Wittmann (80) gibt letztes Amt bei Donum Vitae auf
Grande Dame tritt ab

Maria Geiss-Wittmann. Bild: dpa
Amberg. (upl) Wenn Maria Geiss-Wittmann ihre Arbeit für die Schwangerenberatungs-Organisation Donum Vitae nun beendet, dann legt sie nicht einfach eine ehrenamtliche Tätigkeit nieder. Mit ihrem Rückzug aus dem Verein beschließt die 80-Jährige nichts weniger als ihr Lebenswerk. Eines, mit dem die Ambergerin Geschichte geschrieben hat.

"Ich bin zufrieden", sagt die Grande Dame der Schwangerenberatung in Bayern. "Wir haben sehr viel erreicht. Jetzt ist es an der Zeit, dass eine neue Generation antritt, die sich mit Elan und Idealismus einbringt." Zum Monatsanfang machte Geiss-Wittmann auch den Posten der Donum-Vitae-Bevollmächtigten für Amberg frei. Michaela Mußemann und Christl Seidel haben das Amt gleichberechtigt übernommen.

Harte Auseinandersetzung

Es war nun ihr dritter und letzter Rückzug aus dem im Jahr 2000 von ihr ins Leben gerufenen Landesverband, nachdem sie 2009 den Landesvorsitz und 2012 das Amt der Beiratsvorsitzenden aufgegeben hatte. Die Gründung von Donum Vitae vor 14 Jahren erfolgte aus der Not heraus, nachdem die katholische Kirche beschlossen hatte, aus der bisherigen Form der Schwangerenberatung auszusteigen. "Wir mussten handeln", sagt Geiss-Wittmann auch heute noch. "Wir konnten die Schwangeren, die Hilfe suchten, nicht im Stich lassen." Was folgte, war eine harte Auseinandersetzung mit der Kirche, die die Donum-Vitae-Vorreiterin rückblickend als "sehr schmerzhaft" beschreibt. Die Kirche sieht in den Beratungsscheinen, die die Beratungsorganisation ausstellt, eine Lizenz zur Abtreibung. Geiss-Wittmann und ihre Mitstreiterinnen hingegen argumentieren, nur durch ihr Angebot würden sich Frauen, die bereits zum Schwangerschaftsabbruch entschlossen waren, immer wieder umentscheiden. Den Wert der Gewissensentscheidung habe sie durch ihre langjährige Tätigkeit neu schätzen gelernt, sagt die 80-Jährige. "Das Gewissen ist etwas, das man weder in Rom, noch in Regensburg einfach abladen kann." Aus der schwierigen Startphase von Donum Vitae sei eine große Chance gewachsen, blickt sie zurück. "Die Arbeit hat sich gelohnt. Es ist gut geworden. Das sieht man am Vertrauen, das die Menschen uns entgegenbringen."

Drei neue Gesetze

Drei Herzensanliegen, für die Geiss-Wittmann gekämpft hat, haben in den vergangenen 14 Jahren durch ihre unermüdliche Arbeit Eingang in Gesetzestexte gefunden: Die anonyme Geburt an Krankenhäusern ist jetzt möglich, die Bestattung von Babys, die weniger als 500 Gramm wiegen, ist gesetzlich geregelt. Und vorgeschrieben ist nun auch, dass sich eine schwangere Frau beraten lassen muss, wenn ihr Kind behindert ist und sie eine Abtreibung erwägt.

Für ihr Engagement ist Maria Geiss-Wittmann vielfach ausgezeichnet worden, zuletzt mit dem Frauenpreis der Soroptimisten. "Auf Ehrungen lege ich keinen Wert", sagt sie. "Das Werk als solches muss überzeugen. Das zählt."
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