Ministerpräsident Horst Seehofer verlässt bei Parteikonvent nur einmal den Wohlfühl-Modus
"Ehrliche und offene Aufklärung"

Von draußen zieht längst der Geruch frisch gegrillter Bratwürste in den Münchner Postpalast. Alles ist schon bereitet für das CSU-Bayernfest unter freiem Himmel, doch Edmund Stoiber lässt sich nicht aus der Ruhe bringen.

In Anlehnung an seine berühmte Transrapid-Rede wollte der Ehrenvorsitzende eigentlich nur zehn Minuten brauchen, um dem Parteikonvent der CSU zu begründen, warum er diesem Horst Seehofer als Spitzenkandidat für die Landtagswahl vorschlagen werde. Doch dann redet Stoiber länger, als die Bummel-S-Bahn von München zum Flughafen braucht. Stoiber ist eben auch im 72. Lebensjahr noch ein Emotionsredner, der sich - einmal am Pult - von seinen Gedanken tragen lässt.

Alles dank der CSU

Immerhin schafft er es, zwischen all den Reminiszenzen an seine eigene Amtszeit und den Angriffen auf Rot und Grün, das über dem Konvent mit 1500 Gästen schwebende Motto zu transportieren: Die Einheit von Bayern und der CSU. Zwölf Bürger werden dafür aufgeboten, um zu demonstrieren, dass der Freistaat nur mit der CSU funktioniert. Unternehmer, Handwerker, Studenten, Ehrenamtliche aus allen Landesteilen - zumindest fast, denn in Franken haben die CSU-Strategen nur einen gefunden. Bayern als Land der unbegrenzten Möglichkeiten für engagierte Menschen - alles dank der CSU.
Das ist auch der rote Faden in Seehofers Vorstellungsrede. "Mein Name ist Horst Seehofer, ich bin seit fünf Jahren bayerischer Ministerpräsident, und das möchte ich auch die nächsten fünf Jahre bleiben", beginnt er. Dann preist er die Attraktivität des Freistaats an. Eine "Abstimmung mit dem Umzugswagen" nennt er die ungebremste Zuwanderung ins Land. Die Menschen sähen hier gute Zukunftsperspektiven für sich, "und das hat auch mit unserer Politik zu tun". Seine Schlussfolgerung: "Bayern muss Bayern bleiben, es darf nicht in die Hände der Roten und der Grünen fallen." Nur die CSU sei die "Treuhänderin bayerischer Interessen". So geht das eine knappe Stunde in verschiedenen Variationen.

Nur einmal verlässt Seehofer den "Mia-san-mia"-Wohlfühlmodus. Es drängt ihn, noch etwas zur Mitarbeiteraffäre um mehrere CSU-Parlamentarier zu sagen. Und das nicht nur, weil vor dem Postpalast eine Abordnung der Jusos mit Sombreros demonstriert und ein Seehofer-Porträt mit der Aufschrift "Saludos Amigos" dabei hat. Seehofer spürt, dass die Sache alte CSU-Filz-Erinnerungen bei den Bürgern wach ruft und verspricht deshalb: "Wir machen konsequent reinen Tisch!" Es werde eine "ehrliche und offene Aufklärung" geben, eine zügige Änderung der Rechtsgrundlagen und "persönliche Konsequenzen bei eklatanten Verfehlungen".
Dann schließt er mit schneidendem Ton die Reihen. "Eine Partei, die aufklärt und durchgreift, muss sich keine Diffamierungen der SPD gefallen lassen", kontert er die Rücktrittsforderungen des SPD-Spitzenkandidaten Christian Ude. Den stürmischsten Beifall des Abends bekommt er für den Satz: "Wir bekennen uns zu unseren Fehlern und arbeiten sie auf, aber Schlitten fahren lassen wir mit uns nicht - dafür sind wir zu stolz!"

Nur durch Handheben

Mit diesen kämpferischen Tönen schafft Seehofer die Grundlage für seine Nominierung. Anders als früher erfolgt diese nicht in einer geheimen Wahl, sondern einfach durch Handheben der Delegierten im Postpalast. Der Abend sollte ja kein Parteitag sein, sondern ein Konvent nach amerikanischem Vorbild. Es ist dann aber höchstens eine etwas provinzielle Schmalspurversion davon, ganz ohne kreischende Groupies, ohne Fähnchen und Konfettiregen. Und die Bratwürste draußen sehen am Ende auch nicht mehr so richtig lecker aus.
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