07.05.2011 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Mit Herzblut und Verstand: Dr. Lutz Schubert züchtet Trakehner in kleinem Gestüt in Hirschwald: Das Vermächtnis der Edelpferde

Wenn Dr. Lutz Schubert pfeift, drehen sich zehn Ohren in seine Richtung. Fünf Köpfe schnellen nach oben und 20 Hufe setzen sich klappernd in Bewegung. Das sind die vierbeinigen Lieblinge von Dr. Lutz Schubert, dem Zahnarzt aus Amberg. Privat ist er ein Pferdefreund durch und durch.

Ein Pfiff und die fünf Pferde folgen bedingungslos ihrem Herrn: Der Amberger Zahnarzt Dr. Lutz Schubert züchtet in der kleinen Ortschaft Hirschwald Trakehner. Bild: Petra Hartl
von Andrea Mußemann Kontakt Profil

Der 66-Jährige züchtet in der Ortschaft Hirschwald Trakehner - eine edle, alte Rasse, die ursprünglich aus Ostpreußen stammt - mit viel Herzblut und Sachverstand. Fünf Pferde gehören zu seinem kleinen, aber feinen Gestüt. Der Pfiff hat die Tiere angelockt. Gerade die beiden Jüngsten unter ihnen, gerade dem Fohlenalter entwachsen, kennen keine Privatsphäre und schnuppern interessiert an ihrem Herrn. Ihre feinen Köpfe gehen auf eine alte Linie zurück, erzählt der Experte.

Tradition seit 1723

1723 wurde das Hauptgestüt Trakehnen gegründet. Es entstand unter der dort vorhandenen Landesrasse der "Schweike" und unter Mithilfe des englischen und arabischen Vollbluts eine neue Reitpferderasse. Dr. Lutz Schubert hat es als seine Aufgabe angenommen, dieses ostpreußische Vermächtnis des Edelpferdes weiterzuführen. Dabei begann seine Leidenschaft ganz unspektakulär. "Mein erstes Pferd war kein Trakehner, sondern ein ramsnasiger Schimmel, der mit seinem Vorbesitzer über Biertische springen musste." Ein Trakehnerwallach wurde dazugekauft - "und dann kam Tessa".
"So was wünscht man sich, das gibt es nur selten", begeistert er sich. Die Halbblut-Stute sei in allen Disziplinen gegangen, war noch dazu lammfromm und Schuberts Kinder lernten auf ihr reiten. Zu Tessa kam eine reine Trakehnerstute hinzu "und ich hatte das mit der Zucht im Kopf". Zunächst hatte er seine Vierbeiner im Reitsportverein Köfering untergestellt. "Beim Heu holen" sei er auf das kleine Idyll in Hirschwald aufmerksam geworden.

Fünf Hektar hat Dr. Lutz Schubert seit 1982 gepachtet, dazu einen Stall für die Pferde, an dem er schon mal selbst seine baumeisterlichen Fähigkeiten ausprobiert. Mit der Hilfe des Dorfes, besonders der Familie Ried, bewirtschafte er das Areal selbst. Freilich, anfangs sei er kritisch beäugt worden. "Der Fremde aus der Stadt, der auch noch komisch spricht." Schubert ist gebürtiger Berliner. Alle Vorurteile kann der 66-Jährige ausräumen. Füttern, Ställe ausmisten, Pferde versorgen - er erledigt das selbst. Jeden Tag. Und wenn er mal keine Zeit hat, dann kommt der Nachbar.
Zwei seiner fünf Pferde stehen derzeit zum Verkauf. "Auch wenn eine Trennung nicht immer einfach ist. Das musste ich erst lernen." Wenn sich ein Fohlen ankündigt, verbringt Dr. Lutz Schubert die Nächte im Stall. "Auf einer Couch in der Sattelkammer mit Schlafsack." Den einzigen Luxus, den sich der Züchter neuerdings leistet: "Eine kleine Überwachungskamera, damit ich die Stute beobachten kann und nicht ständig raus muss." Rund 25 Pferde hat der Gestütsbesitzer so auf die Welt kommen sehen. Im Vorjahr wurde sogar ein Stutfohlen aus seinem Stall am besten von allen im Zuchtbezirk Bayern bewertet. Ein schöner Erfolg für die kleine Schubert-Zucht.

"So ein Trakehner, das ist für mich auch eine Lebenseinstellung", sagt er. Die Tiere müssen stets charakterlich in Ordnung sein, man muss mit ihnen konsequent umgehen, nie das Heft aus der Hand geben. Schuberts Familie teilt zwar die Leidenschaft für Pferde, "aber nicht in dieser Intensität". Sein größter Wunsch für die Zukunft: "Ich will dazu beitragen, dass es diese alte Rasse weiter gibt und ich will Dinge machen, die nicht jeder macht." Zum Beispiel auch auf internationaler Ebene.

Für Kavallerie gezüchtet

Trakehner wurden in erster Linie für die Kavallerie gezüchtet. Zwischen den beiden Weltkriegen entwickelte sich die Rasse zum erfolgreichsten Sport- und Jagdpferd. Die olympischen Reitwettbewerbe 1936 wurden von dieser Pferderasse dominiert. Im Kriegswinter 1944/45 nahm die blühende ostpreußische Pferdezucht ein jähes Ende. Nur wenig Zuchtpferde blieben in der Zeit zwischen Flucht und dem Chaos danach für den Wiederaufbau einer systematischen Zucht übrig. Heute gehört der Trakehner-Verband mit mehr als 3000 Zuchtpferden mit zu den prägenden deutschen Reitpferdezuchten. Dr. Lutz Schubert freut es besonders, dass sich dies nicht nur auf Deutschland beschränkt, sondern es mittlerweile weltweit Töchterverbände gibt. Sein großes Ziel ist der Aufbau eines internationalen Verbandes.

Seinen fünf Pferden sind solche Pläne völlig egal. Sie werden von ihrem Besitzer auf die Graswiese geschickt. Das lassen sie sich nicht zweimal sagen und galoppieren davon, um gleich darauf gierig die Halme abzureißen. Auch Edelpferde haben ganz normale Bedürfnisse.

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