03.11.2004 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Mordfall Küspert: 18-jährige Angeklagte bastelte die Tatwaffe Hinrichtung im Wald

Die einzige, die den Verhandlungsauftakt vor dem Landgericht Hof lustig findet, ist die Angeklagte. Im Blitzlichtgewitter der Fotografen schäkert sie mit ihrem Anwalt. Einen Versprecher der Staatsanwältin quittiert sie mit höhnischem Grinsen.

von Uli Piehler Kontakt Profil

Die 18-jährige Nicole G. ist angeklagt, eines der brutalsten Verbrechen der bayerischen Kriminalgeschichte verübt zu haben. Zusammen mit ihren Freunden Tobias G. (27) und Daniel G. (19) soll sie im Juli vergangenen Jahres den zuckerkranken Michael Küspert (22) aus Marktredwitz über einen Zeitraum von zwei Tagen zu Tode gefoltert haben.

Überdosis Insulin

Die aus Auerbach (Kreis Amberg-Sulzbach) stammende 18-Jährige hielt dabei offensichtlich die Fäden in der Hand. Weil sie befürchtete, Küspert würde sie wegen Drogenkonsums bei der Polizei verpfeifen, hat sie nach Auffassung der Staatsanwaltschaft beschlossen, dass er sterben müsse. Die beiden Freunde sollen das Opfer festgehalten haben, sie habe ihm eine Überdosis Insulin verabreicht.

Weil der Marktredwitzer an den Spritzen nicht gleich starb, baute die junge Frau ein Mordwerkzeug, das seinen Zweck in jedem Fall erfüllen sollte: Laut Anklageschrift stopfte sie eine zwei Kilogramm schwere Eisenkugel in einen Waschlappen und befestigte diesen an einer Holzlatte - "Michaels Todeslatte" schrieb sie noch darauf. Michael Küsperts Mutter hat diese Schilderungen schon nicht mehr mitbekommen. Als die Staatsanwältin zu den Details der brutalen Hinrichtung kommt, verlässt sei unter Tränen den Gerichtssaal. Die Eisenkugel sei "zwei Kilometer schwer" gewesen, sagt die Staatsanwältin versehentlich. Nicole G. zieht die Augenbrauen nach unten und grinst.

Michael Küspert wurde am darauffolgenden Tag in einem Wald bei Königstein (Kreis Amberg-Sulzbach) auf grausame Art und Weise getötet. Die ersten beiden Male soll Nicole G. mit der Latte auf ihn eingeschlagen haben, dann habe der Mitangeklagte Daniel G. die Eisenkugel mindestens 20 Mal gegen den Kopf geschleudert. Tobias G. wird vorgeworfen, die Tat vollendet zu haben. Weil das Opfer immer noch Lebenszeichen zeigte, soll ihn der Älteste des Trios gewürgt und später in das Genick getreten haben.

"Es ist halt passiert"

Nicole G. verweigert jede Aussage. Die beiden Männer, Neffe und Onkel, beschuldigen die Mitangeklagte und sich gegenseitig. Zu den beiden Mitangeklagten, wie auch zum Opfer, soll Nicole G. sexuelle Kontakte gehabt haben. Ein eindeutiges Motiv gibt es nach wie vor nicht. "Ich weiß nicht warum. Es ist halt passiert", sagt der 27-Jährige. 15 Verhandlungstage sind noch

angesetzt.

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