13.08.2009 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Murschrottkapelle wird 60 Jahre alt - Ursprungsort der Tirschenreuther Wallfahrt Noch heute kleine Insel für Gläubige

von Jürgen HerdaProfil

Die Murschrottkapelle, eine Insel im Verkehrsstrom von Mühlbühl-, St.-Peter- und Mähringer Straße, wird am Freitag 60 Jahre alt. Am Sonntag, 14. August 1949, haben Direktor Johann Mehler aus Kallmünz, ein geborener Tirschenreuther, und Stadtpfarrer Ernst Mayer das Bauwerk eingeweiht. Viele Gläubige nahmen an dieser Feier teil.

An diesem Platz befanden sich früher eine Quelle, einige Fischkästen und eine alte Linde. 1692 brachte dort der Schuhmacher Johann Zottmayer sein Vesperbild zur öffentlichen Verehrung an, aus Dankbarkeit für die Errettung aus schwerer Krankheit. Das einfache Bild wurde im Laufe der Zeit das wundertätige Gnadenbild der Schmerzhaften Muttergottes von Tirschenreuth.

1714 fanden ein Brillenmacher aus Dornstein bei Rötz und 1717 ein Webergeselle aus Niederalteich Heilung. Durch diese Heilungen pilgerten immer mehr Gläubige nach Tirschenreuth. Das Gnadenbild wurde deshalb in die Friedhofskirche, dann in die Pfarrkirche und schließlich am 4. November 1723 an seinen jetzigen Standort in der Gnadenkapelle gebracht. An der Linde wurde eine Kopie angebracht.
Diese ging verloren. Nach dem Zweiten Weltkrieg ließ der Lederkaufmann Hans Berr von dem Kunstmaler Karl Fuchshuber auf einer Eisenplatte mit Bedachung und Glasfenster eine Nachbildung des Gnadenbildes in Öl anfertigen und am gleichen Platz an der Linde befestigen, an der sich ehemals das Gnadenbild befand.

Zu dieser Zeit wurde jedoch von der Stadt Tirschenreuth eine Veränderung des Platzes sowie die Beseitigung der restlichen Fischkästen geplant. Zweiter Bürgermeister Heinrich Berr besprach sich mit seinem Vetter Hans, wie verhindert werden könnte, dass dieser denkwürdige Platz ganz in den Straßenneubau einbezogen wird. Beide kamen überein, neben der Linde eine kleine Kapelle errichten zu wollen. Der Stadtrat stimmte zu. Hans Berr trug sämtliche Kosten für den Kapellenbau und bezahlte 300 Mark, ein Jahr nach der Wäh-rungsreform ein stattlicher Betrag. Die Bauarbeiten wurden von städtischen Maurern durchgeführt. Die Dachziegel stammten vom Dach der Kipferlmühle. Das Eisengitter stiftete Alois Hamm. In den Grundstein wurde eine Urkunde eingemauert, auf der die Geschichte des Gnadenbilds und die Entstehung der Kapelle festgehalten ist.

Durch die kleine Kapelle haben der Murschrottplatz und der Friedhof-aufgang sehr gewonnen. Gerne kommen heute noch Gläubige zum Ursprungsort der Tirschenreuther Wallfahrt und bringen Kerzen und Blumen dorthin. Die Altstadtmaler Gerhard und Christian Heyd kümmern sich darum, dass die Kapelle in einem gepflegten Zustand erhalten bleibt.

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