19.01.2004 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Nach einem Jahr Rückkehr aus der Hölle von Bagdad nach Vilseck: GIs umarmen ihre Familien Unser Daddy kommt endlich heim: Da kullern die Tränen

"You are our hero", sagt die kleine Mary (3) und drückt ihrem Daddy einen Kuss auf die Wange. Ein ganzes Jahr lang hat sie ihn nicht gesehen. Jetzt liegt sie in seinen Armen.

von Uli Piehler Kontakt Profil

Marys Vater ist einer von 500 Soldaten der US-Armee, die am Samstag aus dem Irak in die Rose Barracks bei Vilseck zurückkehrten. Wäre es nicht bitterer Ernst, könnte das, was sich dort im "Hilltop Sports Center" abgespielt hat, das Happy End eines Hollywood-Streifens gewesen sein.

Unterm Sternenbanner

Mit verheulten Augen, aber freudestrahlend, fielen den Soldaten unterm Sternenbanner ihre Frauen und Kinder um den Hals. Mary wartet jetzt schon eine geschlagene Stunde.

Immer wieder zupft sie Tracy (34), ihre Mutter, am Ärmel und fragt, wann aus der großen Tür am anderen Ende der Halle denn endlich Daddy hereinkommt. Im letzten halben Jahr hat sie ihn nur dreimal kurz am Telefon gehört. "Die Kleine weiß wohl schon gar nicht mehr, wie er aussieht", sagt Tracy. Tracy war zuletzt sehr besorgt. "Die vielen Anschläge haben mir Angst gemacht", sagt sie. "Der Irak ist kein sicherer Ort für unsere Soldaten." An diesem Abend sind Sorgen und Ängste vorbei. Sie hat zur Begrüßung ein Plakat gemalt, rote und blaue Luftballons mitgebracht. Mary hält ein Fähnchen in der Hand.

Jubel in der Halle

Endlich öffnet sich die Tür. Die Jungs haben ihre Waffen abgegeben und marschieren in die Halle ein. Die Menge bricht in Jubel aus. "Duty First", wie in dicken Lettern an die Wand gemalt ist, gilt auch jetzt.

Bevor die Soldaten zu ihren Familien dürfen, müssen sie zu einem letzten Appell antreten. Der Kommandeur der Truppe, Oberstleutnant Paul Grosskrueger, lässt noch einmal die Flaggen präsentieren. Anschließend hält er eine kurze Dankesrede. "Ihr seid die wahren Helden", ruft er den Müttern und Kindern auf der Zuschauertribüne zu. "Ihr habt uns in jeder Minute unterstützt und uns Halt gegeben." Im Irak, so sagt er, waren seine Soldaten an vorderster Front mit dabei. Sie hätten den Weg bereitet für den "siegreichen Kampf im Irak". Das 94. Pionierbataillon hat einen Highway von Kuwait bis nach Bagdad gebaut und so das schnelle Vorrücken der Armee gewährleistet. Die "Wölfe", wie die Soldaten des Bataillons auch genannt werden, trafen als einer der ersten Truppenteile in Bagdad ein. Dort sicherten sie den Flughafen und das Burger-King-Restaurant, das dort ihre Kameraden errichtet haben.

"Wir haben es mit unserem Leben verteidigt", sagt Grosskrueger augenzwinkernd. "Jetzt ist die Zeit gekommen, nach Hause zu gehen." Für Tracy und alle anderen gibt es kein Halten mehr. Mit der kleinen Mary auf dem Arm läuft sie Richtung Soldatenspalier, sucht ihren Mann. Überglücklich fällt sie ihm um den Hals. Da kullern die Tränen. Hunderte Frauen waren am Samstagabend da. Nur eine ist zu Hause geblieben. Für sie gab es keine Wiedersehensfeier. Ihr Mann ist tot. Er starb bei einem Bombenanschlag.

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