Nach Katastrophe: Merkel für genaue Herkunftsnachweise in Textilien
Bangladesch mahnt

Hamburg/Dhaka.(epd) Vor dem Hintergrund des Einsturzes einer Textilfabrik in Bangladesch mit Hunderten Toten hat sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) für genaue Herkunftsnachweise auf Kleidungsstücken ausgesprochen. Europa könnte sich dafür einsetzen, sagte sie bei einer Diskussion über globale Gerechtigkeit am Freitag auf dem evangelischen Kirchentag in Hamburg.

Verbraucherschützer beklagen immer wieder, dass Textilien nicht mit der kompletten Herstellungskette gekennzeichnet sind. Die Leiterin des UN-Entwicklungsprogramms UNDP, Helen Clark, begrüßte die Äußerung. Käufer könnten dann sehen, wo ihre Kleidung entstanden ist. "Und Konsumenten haben Macht", sagte sie in der Diskussion mit der Kanzlerin. Merkel sagte, wichtig sei auch, mit den Ländern, in denen in den vergangenen Jahren zahlreiche Arbeitsplätze in der Textilindustrie entstanden sind, zu diskutieren, wie sie ihre Arbeitsbedingungen gestalten wollen. Westliche Staaten sollten dabei "nicht zu dominant auftreten".

Die Bundeskanzlerin betonte zudem die Vorbildfunktion Deutschlands in der Entwicklungspolitik. "Wir haben eine Bringschuld zu zeigen, wie man Wachstum, Wohlstand und Nachhaltigkeit zusammenbringen kann", sagte sie. "Was wir heute nicht erledigen, weil wir der Meinung sind, es ist uns zu teuer, das kann uns morgen das Zehnfache kosten", sagte Merkel. Die Bundeskanzlerin unterstrich in diesem Zusammenhang die Notwendigkeit, die Energiewende erfolgreich abzuschließen. "Wenn wir das nicht schaffen, werden andere sich zurücklehnen und sagen: Wir schaffen das auch nicht."
In Bangladesch ist unterdessen die Zahl der Toten nach der Einsturzkatastrophe von Dhaka auf über 500 gestiegen. Wie viele weitere Menschen noch unter den Trümmern verschüttet lagen, war am Freitag weiter unklar. In dem Hochhaus waren fünf Textilfabriken mit mehr als 3000 Arbeitern untergebracht. SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück plädierte auf dem Kirchentag für ein Verbot von Spekulationsgeschäften mit Lebensmitteln. "Nahrungsmittelproduktionen sollten nicht mehr Lebensmittelspekulationen unterworfen werden", sagte er. (Seite 7)
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