12.06.2006 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Nachwuchssorgen und unerforschte Bienenkrankheiten - Der Freistaat will seine Aufgaben an die ... Die vernachlässigten Imker: Der Stachel sitzt tief

von Autor (gri)Profil

Die Imkerei ist wichtig für die Menschen, das hat schon Albert Einstein erkannt. "Wenn die Biene von der Erde verschwindet, dann hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben. Keine Bienen mehr, keine Bestäubung mehr, keine Pflanzen mehr, keine Tiere mehr, keine Menschen mehr", sagte der Physiker einmal. Nach München hat sich diese Weisheit noch nicht herumgesprochen.

"Die Staatsregierung lässt die Imker im Regen stehen", beklagt Hans Strehl, Vorsitzender der Bayerischen Imkervereinigung (BIV), die ihren Sitz in Edelsfeld (Kreis Amberg-Sulzbach) hat. Der leidenschaftliche Bienenzüchter ärgert sich besonders über leere Versprechungen und darüber, dass die Politik zwar Leistungen verlangt, sie aber nicht zu würdigen weiß.

Wie blanker Hohen

Während der Freistaat seinen Haushalt saniert, habe der für die Imkerei zuständige CSU-Landtagsabgeordnete Sepp Ranner dem Verband den Tipp gegeben, sich die finanzielle Unterstützung bei den Kommunen zu holen. "Das klingt wie blanker Hohn. Jeder weiß, dass die Kommunen kein Geld mehr haben." "Über Jugendarbeit wird eine Menge geredet, aber nichts getan", sagt Strehl. Die BIV bekommt nur geringe bis keine staatlichen Zuschüsse. Alles, was die Vereinigung erwirtschaftet, wird wieder in die Zucht investiert. So ist es möglich, Neumitgliedern ein ganzes Bienenvolk gratis zur Verfügung zu stellen und Nachwuchsmitlieder bereits zu einem Jahresbeitrag von fünf Euro aufzunehmen. Bei anderen Imkerverbänden gehören solche Preise längst der Vergangenheit an. Wie auch junge Mitglieder dort kaum mehr zu finden sind. Dass sein Verein, der Bienenzuchtverein Edelsfeld, keine Nachwuchssorgen hat, dafür sorgt Opa Strehl schon selbst. Seine Enkel Jakob (8), Moritz (9) und Veronika (11) wissen bereits ganz genau, wie man eine Brutwabe aus dem Bienenstock holt. "Die Bienen stechen nicht, wenn man weiß, wie man mit ihnen umgehen muss", sagt Moritz. Ruhig hantieren und trotzdem nicht zu lange trödeln, heißt die Zauberformel.

Probleme hausgemacht

Der Bienenzuchtverein Edelsfeld hat 268 Mitglieder, davon 105 aktive. 65 Mitglieder sind unter 18 Jahre alt, 27 davon betreuen aktiv Bienen. Der Altersdurchschnitt liegt bei 38 Jahren. "Das ist bayernweit einmalig", freut sich Hans Strehl. Die Imker müssten keine Nachwuchssorgen haben, wenn sich die Politik mehr für sie interessieren würde, ist er überzeugt. Zu den Veranstaltungen der BIV ließen sich die Volksvertreter nicht einmal entschuldigen. Dabei gehörten die meisten Bienenzüchter der Oberpfalz dem Verband an. "Viele Leute sprechen mich an, was heuer mit den Bienen los ist", erzählt Strehl. In den Baumkronen summt es kaum noch, die Insekten sind weniger geworden. "Dabei interessiert es jedoch nicht, dass viele Imker keine, oder nur noch wenige Völker haben, andere aber noch alle. Hier müsste Ursachenforschung betrieben werden." Die Gründe für das Bienensterben müssten dringend erforscht werden, "aber wer soll das machen und finanzieren?" Die Imkervebände seien hier schlichtweg überfordert. Manch älterer Imkerkollege hört jetzt auf, weil ihm das Volk eingegangen ist. "Normalerweise hätte die noch fünf bis zehn Jahre weitergemacht."

Wenn sich der bayernweite Trend fortsetzt, dass sich kaum jemand mehr für die Imkerei interessiert, dann bekomme der Staat ein neues Problem. Dann müsse die Bienenzucht staatliche Aufgabe werden, "denn irgendwer muss es ja machen." Die zuständigen Beamten in den Land- und Forstwirtschaftsämtern werden sich freuen. In den Stellenplänen der Behörden regiert seit mehr als zwei Jahren schon der Rotstift.

Unterdessen macht Hans Strehl weiter, gibt quasi zum Selbstkostenpreis mehr als 30 Vorträge pro Jahr und zeigt seinen Enkeln, wie man im Bienenvolk die Königin findet. "Imkern gefällt mir", sagt der kleine Moritz.

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