Nahles plant Anti-Stress-Verordnung - Dauernde Erreichbarkeit im Visier
In der Freizeit abschalten

Viel Arbeit, viel Stress. Gegen übermäßige psychische Belastungen am Arbeitsplatz will Arbeitsministerin Andrea Nahles ein Gesetz. Bild: dpa
Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) lässt Eckpunkte für eine mögliche Anti-Stress-Verordnung gegen psychische Überlastung von Arbeitnehmern erarbeiten. Im kommenden Jahr solle es erste Ergebnisse geben, sagte Nahles der "Rheinischen Post". Sie habe dafür gesorgt, dass die Prüfung einer Anti-Stress-Verordnung in den Koalitionsvertrag hineinkomme, sagte Nahles. "Es gibt unbestritten einen Zusammenhang zwischen Dauererreichbarkeit und der Zunahme von psychischen Erkrankungen."

Auch die Arbeitgeber hätten dies anerkannt, es gebe auch wissenschaftliche Erkenntnisse. "Dennoch ist es eine Herausforderung, diese gesetzlich rechtssicher umzusetzen", sagte die Ministerin.

SPD-Chef Sigmar Gabriel hatte gesagt, er sehe bei dem Thema vor allem Arbeitgeber und Gewerkschaften und nicht den Gesetzgeber in der Pflicht. Psychische Erkrankungen wie Depressionen sind Hauptursachen für steigende Zahlen bei der Erwerbsminderungsrente. Laut Deutscher Rentenversicherung Bund wechselten im vergangenen Jahr 66 441 Arbeitnehmer wegen psychischer Erkrankungen in die Erwerbsminderungsrente - 19 351 mehr als 2005. Krankenkassen melden immer wieder hohe Anteile an Krankheitstagen aus diesem Grund. Zu den Risikofaktoren für solche Störungen zählt, dass Arbeitnehmer nach der Arbeitszeit per Smartphone oder Computer geschäftlich kommunizieren und dass hohe Arbeitsdichte und unregelmäßige Arbeitszeiten herrschen. Auf der anderen Seite kann laut Experten auch krank machen, wenn Menschen sich ständig unterfordert fühlen.
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