Nazi-Besetzung der Gewerkschaftshäuser jährt sich zum 80. Mal - Gedenkveranstaltung in ...
Büros verwüstet, Funktionäre in Haft

Ein Dorn im Auge waren den Nationalsozialisten im Dritten Reich von Anfang an die sozial aktiven und gut vernetzten Gewerkschaften. Nur wenige Wochen nach der Machtübernahme Hitlers stürmten SA-Truppen am 2. Mai 1933 die Gewerkschaftshäuser, verwüsteten Büros, verhafteten Funktionäre und hissten die Hakenkreuzfahne. In Regensburg erinnerten Gewerkschaftler und Politiker am Donnerstag an die Besetzung vor 80 Jahren.

Der Ort der Gedenkfeier war nicht zufällig gewählt: In Regensburg steht das einzige Gewerkschaftshaus Bayerns, das von den Nazis besetzt wurde und heute immer noch von den Gewerkschaften genutzt wird. Barbara Stamm (CSU), Präsidentin des Bayerischen Landtags, betonte die "stabilisierende Wirkung" der Gewerkschaften. Dass die Nazis die Gewerkschaftler als Bedrohung empfanden, zeige, wie wichtig die Arbeitsnehmervertreter für eine freie Gesellschaft seien.

Gewerkschaften seien wie das Salz in der Suppe, meinte Stamm: "Nicht für jeden Geschmack gleich angenehm, aber auf jeden Fall unverzichtbar." Heute sieht Stamm die Lohn- und Familienpolitik als größte Herausforderungen für die Gewerkschaften. Jeder brauche eine Chance auf ein menschenwürdiges Einkommen, sagte die Landtagspräsidentin. Deshalb sei eine Debatte "über gerechte Löhne und Mindestlöhne" notwendig.

Zu großen Problemen würden "gespaltene Belegschaften" in Betrieben führen, in denen gut bezahlte, abgesicherte Beschäftigte neben schlechter entlohnten, befristet Angestellten arbeiten. Unsichere Arbeitsverhältnisse würden junge Menschen zudem abhalten, Kinder zu bekommen. Arbeitsplätze müssten familienfreundlicher gestaltet werden, forderte Stamm. "Da würde ich mir von den Gewerkschaften noch mehr Elan wünschen."
An das Schicksal Tausender von Gewerkschaftlern während der Nazi-Zeit erinnerte Matthias Jena, Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) Bayern. Sie waren in Gefängnisse und Konzentrationslager gesperrt worden, viele wurden gefoltert und ermordet. Jena rief dazu auf, nicht nur der Opfer des Terrors zu gedenken, sondern auch aus dem Geschehenen Lehren zu ziehen. "Unsere Geschichte verpflichtet uns zum Handeln gegen Rassismus, Antisemitismus und Intoleranz."

Rückblickend müsse aber leider auch festgestellt werden, dass die Gewerkschaften "viel zu spät und viel zu wenig begriffen haben", sagte Jena. Die Mehrheit habe den Nationalsozialismus nur für eine vorübergehende Erscheinung gehalten und geglaubt, sich mit der Politik der Nazis arrangieren zu können oder gar zu müssen. "Heute wissen wir: Die Anpassung bis zur Selbstaufgabe war ein schrecklicher Fehler."

Jena warnte ausdrücklich davor, braunem Gedankengut einen Platz in der Gesellschaft zu geben. Mit Sorge beobachte er, dass Rechtsradikale verstärkt versuchen, sich in Vereinen und Bürgerinitiativen zu engagieren. Vor allem in strukturschwachen Regionen würden sie sich gerne "das Mäntelchen des sozialen Kümmerers umhängen" - Hartz-IV-Beratungen und Jugendtreffs inklusive.
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