Neue Biografie über Angela Merkel bringt auch familiäre Wurzeln ans Licht - Buchvorstellung mit ...
Etwas polnisch und etwas katholisch

Mit ihrem Stammbaum hat sich Angela Merkel nie groß beschäftigt. Für solche Dinge ist in der Familie der Kanzlerin eher ihr jüngerer Bruder zuständig. Neuerdings muss Merkel aber doch häufiger Auskunft über ihre Vorfahren geben - seit herauskam, dass sie einen polnischen Großvater namens Ludwig Kazmierczak hatte, geboren 1896 in Posen (heute: Poznan), der seinen Nachnamen später eindeutschen ließ. Andernfalls wäre die Kanzlerin nicht als Angela Kasner, sondern als Angela Kazmierczak auf die Welt gekommen. Von der Tatsache, dass sie "zu einem Viertel polnisch" ist, hatte Merkel früher schon berichtet. Aber erst durch eine Biographie des Journalisten Stefan Kornelius ("Angela Merkel. Die Kanzlerin und ihre Welt") wurde die Familiengeschichte größer publik. In Polen löste sie riesiges Interesse aus - bis hin zu einer Einladung des pensionierten Buchhalters Zygmunt Rychlicki, ein Cousin zweiten Grades, doch mal persönlich bei ihm in der Kosmonautensiedlung von Posen vorbeizuschauen.
So weit ging die CDU-Vorsitzende dann nicht. Zumindest aber - ungewöhnlich genug - war Merkel am Montag bei der Vorstellung des Buchs selbst dabei, gemeinsam mit dem polnischen Ministerpräsidenten Donald Tusk. Offiziell war das ein "Gespräch über Europa" mit der Kernfrage, wie der Kontinent trotz Euro-Krise im Wettbewerb mit den anderen großen Volkswirtschaften bestehen kann.

Merkel "häufig Opfer"

Merkel wehrte sich einmal mehr gegen den Vorwurf, dem Rest der EU ein deutsches "Spardiktat" aufdrücken zu wollen. "Ich bin überhaupt nicht die Frau, die immer sagt: "Man muss nur sparen." Wichtig seien auch echtes Wachstum und Strukturreformen. Tusk stand ihr mit den Worten bei: "Die Frau Bundeskanzlerin ist leider häufig Opfer eines aggressiven Widerstands." Im Nachbarland - das den Euro noch nicht hat, aber weiterhin einführen will - wurde Merkel eben erst zur beliebtesten ausländischen Politikerin gekürt.

Naturgemäß warteten die meisten bei der Buchvorstellung aber darauf, dass die Kanzlerin mehr von ihrer Familiengeschichte berichten werde. Merkel blieb jedoch bei der Zurückhaltung, die ihr in solchen Dingen eigen ist. Auf die Frage nach den polnischen Wurzeln meinte sie eingangs nur: "In Europa ist das ja immer hin und her gegangen."

Eine katholische Taufe

Dann berichtete die Protestantin Merkel aber doch, dass sie außer den polnischen auch noch katholische Wurzeln hat: Ihr Vater Horst Kasner (geborener Kazmierczak) wurde sogar noch katholisch getauft und erst evangelisch konfirmiert. 1954, kurz nach der Geburt der ersten Tochter, ging Kasner dann als Pastor in die DDR. Merkel fasste diesen Teil der Familiengeschichte so zusammen: "Das mit dem Katholischen hat sich erst mal verdrängt." Dabei ist gerade Tusk Beispiel dafür, wie sehr es bei Politikern auf die Familienbiographie ankommen kann. Sein Vorhaben, polnischer Präsident zu werden, scheiterte 2005 maßgeblich daran, dass sein kaschubischer Großvater Jozef Tusk als einer von Millionen zwangsgermanisierten Polen im Zweiten Weltkrieg bei der Wehrmacht gedient hatte.

"Die Großväter spielen manchmal eine große Rolle bei Wahlen", berichtete er Merkel am Montag von seinen leidvollen Erfahrungen. "Meiner hat mir nicht so geholfen. Ich hoffe, deiner wird kein Hindernis sein für die anstehende Bundestagswahl." Auch hier fiel Merkels Antwort eher kurz aus: "Bis jetzt ist das nicht absehbar."
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