04.09.2014 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Neuer Staatskanzleichef Marcel Huber gilt als unaufgeregt und lösungsorientiert Das Gegenteil zu Haderthauer

Horst Seehofer kennt sich mittlerweile aus mit Kabinettsumbildungen und der Benennung neuer Minister - in Berlin und München. Zuletzt musste er im Frühjahr Bundesagrarminister Hans-Peter Friedrich ersetzen. In Bayern gab es in den vergangenen Jahren gleich mehrere Wechsel und Rochaden.

von Agentur DPAProfil

Diesmal aber geht es im Rekordtempo: Keine 48 Stunden nach dem Rücktritt seiner Staatskanzleichefin Christine Haderthauer benennt der Ministerpräsident am Mittwoch erstens einen Nachfolger und zweitens eine Nachrückerin ins Kabinett. Der erste Name ist keine allzu große Überraschung, der zweite schon: Der bisherige Umweltminister Marcel Huber wird neuer Chef der Regierungszentrale, die bisher völlig unauffällige oberbayerische Landtagsabgeordnete Ulrike Scharf ersetzt Huber im Umweltressort.

Huber ist keine Überraschung, weil er 2011 schon einmal Staatskanzleichef war. Er weiß also, was er dort zu tun hat und was auf ihn zukommt. Und viel wichtiger: Seehofer weiß, was er an Huber hat. Sogar die Opposition schätzt Hubers ruhigen, unaufgeregten Politikstil - keine allzu schlechte Eigenschaft, wenn man bedenkt, dass der Staatskanzleichef eine Art Regierungsmanager sein muss. Huber ist das krasse Gegenteil zu Haderthauer, die bundesweit als lautstarkes Sprachrohr Bayerns und der CSU bekannt war. Diese Rolle wird er kaum übernehmen können - und wollen. Er setze "auf einen offenen, lösungsorientierten Dialog zwischen Politik, Verwaltung und Bevölkerung", betont er nach seiner Kür.

Heiliger Regionalproporz

Hubers Wechsel ist aber auch aus einem ganz einfachen Grund keine Überraschung: Huber kommt wie Haderthauer aus Oberbayern. Und weil die mächtige Oberbayern-CSU dem Vernehmen nach darauf bestanden hat, dass auch wieder einer aus ihren Reihen den Posten übernehmen muss, blieben nicht viele Möglichkeiten. Der interne Regionalproporz ist eben doch heilig. Und weil Seehofer die Frauenförderung zu einer seiner Leitlinien gemacht und mit Haderthauer noch dazu eine der führenden Frauen zurücktreten musste, ist auch von Beginn an sehr klar, dass eine Frau aus Oberbayern die besten Chancen haben würde.

Für Überraschung gut

Dass aber nicht Fraktionsvize Kerstin Schreyer-Stäblein zum Zug kommt und auch nicht die Ausschussvorsitzende Ingrid Heckner, sondern die bislang unauffällige, 46 Jahre alte Unternehmerin Ulrike Scharf, überrascht dann am Mittwoch doch einige CSU-ler. Zumal es sich sofort um einen Minister- und nicht "nur" um einen Staatssekretärs-Posten handelt. "Horst Seehofer bleibt eben seiner Linie treu, dass er immer wieder für Überraschungen gut ist", meint ein CSU-Mann.

Die Opposition freilich schimpft. "Die neue Umweltministerin ist bislang nicht durch fachpolitische Initiativen und Know-how aufgefallen", ätzt SPD-Fraktionschef Markus Rinderspacher. Und Ludwig Hartmann (Grüne) argumentiert, Scharfs Berufung zeige letztlich nur, "wie dünn die Personaldecke in der Seehofer-CSU inzwischen ist". Eine längere Verteidigungs-Mail kommt dafür von der oberbayerischen CSU-Bezirksvorsitzenden Ilse Aigner, die bei der Benennung ein entscheidendes Wörtchen mitgeredet haben soll. Scharf sei zwar bisher in der Wirtschaftspolitik beheimatet gewesen, räumt Aigner ein. Sie werde aber "durch ihr großes Engagement bald eine glaubwürdige Vertreterin der Umweltpolitik in Bayern sein".

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