Nicht nur Schmuggel-Zigaretten: Zoll in Regensburg macht täglich große Aufgriffe - Lager ...
Würgehölzer, Wurfsterne und Raketen

Ein Zollbeamter präsentiert auf einer Pressekonferenz einen Raketenwerfer. Zollfahnder haben in Ostbayern im Kofferraum eines Autofahrers zwei Raketenwerfer entdeckt. Die beiden russischen Flugabwehrsysteme samt dazugehöriger Lenkflugkörper seien illegal nach Deutschland eingeführt worden, teilte der Zoll mit. Foto: Armin Weigel dpa/lby
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Deutschland und die Welt
08.04.2008
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Lediglich der beschlagnahmte Panzer fehlte. Aber sonst wartete Hauptzollamtsleiter Wilfried Moebus so ziemlich mit allem erdenkbaren martialischen Gerät auf: vom messerscharf geschliffenen Wurfstern über Elektroschocker, Würgehölzer, täuschend echt wirkenden Sturmgewehren bis zu den dieser Tage präsentierten Flugabwehrraketen.

Zöllner sind eifrig. Das demonstrierte die Jahres-Pressekonferenz im Regensburger Hauptzollamt (HZA). Gerade im vergangenen Jahr haben besonders die Aufgriffe von geschmuggelten Zigaretten minderster Qualität, Rauschgift und Waffen aller Art sowie gefälschten Markenartikel - meist "made in China"- enorm zugenommen. "Die Zollverwaltung trägt wesentlich zur inneren Sicherheit bei!" betont Moebus denn auch stolz. Und fügt beruhigend an, dass weder die Raketen noch der russische Bergepanzer "terroristischen Hintergrund" hatten.

Vor allem britische Sammler sind es, die mit solch zwar entschärftem, doch nicht "entmilitarisierten" und somit noch einsatzfähigem Kriegsgerät ihrer Leidenschaft frönen. Und die auf den ersten Blick von Gewehren und Pistolen nicht zu unterscheidenden "Anscheinswaffen" gibt es als Spielzeug auf den Vietnamesenmärkten an der tschechischen Grenze zu kaufen. Diese Märkte machen Zollamtsleiter Moebus zunehmend Sorge, dienen sie doch auch als Umschlagplätze für andere bei uns verbotene Produkte.

Mehr als die Hälfte der in Bayern beschlagnahmten 20 Millionen Zigaretten, nämlich 11,77 Millionen, entdeckten die vier mobilen Kontrollgruppen - rund 200 Zöllner - des Hauptzollamts Regensburg, dessen Ämter und Dienststellen bis nach Hof reichen. Der Marktwert der gefälschten Markenartikel, darunter beispielsweise 5000 Liter Parfüm, liegt t bei insgesamt 5,3 Millionen Euro. 2006 waren es noch 4,5 Millionen.

Bilder: dpa

1,135 Milliarden Euro Gesamteinnahmen verzeichnete das HZA im Jahr 2007. "Der Zoll erzielt die größten Einnahmen des Bundes. 40 Prozent des Bundeshaushalts stammen vom Zoll", klärt Moebus auf. Allein die Einnahmen aus Verbrauchsteuern schlagen mit knapp 1,1 Milliarden Euro zu Buche. Aber auch Schwarzarbeitern in großem Stil ist das HZA Regensburg mit seinen insgesamt rund 1000 Mitarbeitern auf den Fersen.

Moebus bilanziert, wie gut aufgestellt seine Behörde ist und versichert: "Trotz größerer Freizügigkeit an den Grenzen gelingt es uns, mehr Steuerverluste zu vermeiden!" Dazu arbeiten die Beamten mit hoch spezialisiertem Gerät. Die Apparatur beispielsweise, die Wischtests bei der Drogenfahndung auswertet, könnte noch die Konzentration von einem Stück Würfelzucker in einem Olympia-Schwimmbecken nachweisen. Mittlerweile wird dem HZA der Raum knapp. Die sieben Großlager sind brechend voll. Denn die Schmuggelzigaretten zum Beispiel dürfen erst vernichtet werden, wenn das Gerichtsverfahren abgeschlossen ist.

Vorabmeldung aus dem "Neuen Tag" vom 9. April

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