Nordkorea verurteilt US-Bürger
15 Jahre Zwangsarbeit

Bild: dpa
Seoul. (dpa) Die Verurteilung eines US-Bürgers im kommunistischen Nordkorea wegen angeblichen Umsturzversuchs belastet die angespannten Beziehungen beider Länder zusätzlich. Das Oberste Gericht verurteilte den vor sechs Monaten in Nordkorea festgenommenen Amerikaner Pae Jun Ho wegen «feindseliger Handlungen gegen die Volksrepublik» zu 15 Jahre Zwangsarbeit, wie die Staatsmedien am Donnerstag berichteten.

Der Amerikaner koreanischer Herkunft wird in den USA Kenneth Bae
genannt. Was ihm im Detail zur Last gelegt wird, blieb unklar. Die Verurteilung kam inmitten der schweren politischen Krise in den Beziehungen zwischen Washington und Pjöngjang wegen des nordkoreanischen Atomprogramms. Beobachter schlossen nicht aus, dass
Pjöngjang den Amerikaner als Verhandlungskarte nutzen könnte.

In den vergangenen Jahren hatte es wiederholt Festnahmen von
US-Bürgern in dem weithin abgeschotteten Land gegeben. Sie wurden
nach Vermittlung durch hochrangige amerikanische Gesandte wieder
freigelassen.

Ex-Präsident Jimmy Carter habe sich bereiterklärt, erneut als Vermittler aufzutreten und nach Pjöngjang zu reisen, berichtete die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap unter Berufung auf Diplomaten in Washington. Dabei wolle Carter sich nicht nur für die Freilassung von Pae einsetzen, sondern auch auf eine Wiederaufnahme des Dialogs zwischen beiden Ländern hinarbeiten.

Carter war zuletzt vor zwei Jahren mit drei ehemaligen Staats- und Regierungschefs aus Europa als Privatperson nach Nord- und Südkorea
gereist, um Wege zur Entspannung des Konflikts auf der koreanischen
Halbinsel auszuloten.

Den nordkoreanischen Angaben zufolge wurde Pae am Dienstag in
Pjöngjang der Prozess gemacht. Zuvor hatten die amtlichen Medien berichtet, er habe seine ihm vorgeworfenen Verbrechen gegen den Staat
gestanden. Pae war Anfang November 2012 bei der Einreise in Rason im
Norden des Landes festgenommen worden.

Bae betreibe ein Reisebüro in China. Er habe eine Gruppe von fünf europäischen Touristen geleitet, berichteten Medien in Südkorea. Bei der Gruppe sei eine Computer-Festplatte gefunden worden, hatte es nach Bekanntgabe seiner Festnahme geheißen.

Die Lage in der Region gilt seit dem dritten nordkoreanischen Atomtest im Februar als extrem angespannt. Pjöngjang hatte angesichts der Ausweitung von UN-Sanktionen und südkoreanisch-amerikanischer Militärmanöver unter anderem den Waffenstillstandsvertrag von 1953 gekündigt und den USA einen Angriff mit Atomwaffen angedroht.
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