10.06.2010 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Oberpfälzer Bundesschießen vor 100 Jahren fulminantes Spektakel - Girlanden und Triumphbögen Affen- und Bären-Arena am Festplatz

In der zweiten Juni-Hälfte 1910 stand die Klosterstadt ganz im Zeichen des elften oberpfälzischen Bundesschießen vom 24. bis 29. Juni, das seit 1890 im zweijährigen Turnus in der Oberpfalz stattfand. Damit verbunden war in Waldsassen auch ein groß angelegtes Volksfest für die breite Öffentlichkeit.

von Autor TMLProfil

Die organisatorischen Vorbereitungen dazu hatten schon im Januar 1910 eingesetzt. Schließlich prangten beim Fest die Straßen und Häuser der Stadt im reichen Fest- und Fahnenschmuck, es gab Girlanden und mehrere Triumphbögen und alles war auf den Beinen, um nach den umfangreichen Vorarbeiten die festlichen Tage gebührend mitzufeiern.

Als Träger des Festes wirkten der 1889 gegründete Oberpfälzische Schützenbund sowie die Königlich-privilegierte Schützengesellschaft Waldsassen, die als ältester Traditionsverein Waldsassens gilt und der beim Fest auch die Federführung zukam.

Unterhaltung beim "Sprea'n"

Das große Ereignis begann am Donnerstag-Abend, 23. Juni mit einem Zapfenstreich und einer geselligen Unterhaltung im Gasthof Plonner (Sprea"n). Am Freitag, 24. Juni folgte vormittags der Empfang der Festgäste aus Nah und Fern. Dabei waren vor allem zahlreiche Schützen-Abordnungen der Einladung gefolgt. Am Nachmittag bewegte sich dann von der Mitterteicher Straße aus ein imposanter Festzug durch die Straßen der Stadt, hinaus zum Festplatz. Dieser lag beim damaligen Schützenhaus in der Schießtrift, also heute etwa im Bereich der mittleren Schützenstraße.
Hier hatten sich auch zahlreiche Schausteller mit ihren Zelten und Attraktionen eingefunden. Dazu zählten etwa Karussells, Schiffsschaukel, Tunnelbahn, Affen- und Bären-Arena, Schießbuden, Kasperltheater sowie ein Kinematograph. Am Freitag-Abend folgte dann die Eröffnung des Bundesschießens, das nun in den folgenden fünf Tagen in der örtlichen, vergrößerten Schießstätte zur Austragung kam. Auf dem elektrisch beleuchteten Festplatz konzertierte an allen Tagen die verstärkte Stadtkapelle Waldsassen. Dabei herrschte Trubel und ging es immer hoch her. Man lobte vor allem die feinen Waldsassener Rostbratwürste. Eine große Halle bot den Besuchern Schutz bei ungünstiger Witterung.

Am Montag, 27. Juni zeigte der Turnverein am Abend turnerische Aufführungen. Am nächsten Tag reihte sich ein Sängerabend in der Festhalle an. So fand das Fest weitum eine große Resonanz. Dabei konnten vor allem auswärtige Besucher bei guten Zugverbindungen aus allen Richtungen ungehindert anreisen.
An dem Bundesschießen hatten schließlich 396 Schützen teilgenommen, eine Zahl die bis dahin noch bei keinem derartigen Anlass erreicht worden war. Das Schießprogramm umfasste die beiden Festscheiben "Oberpfalz" und "Waldsassen" mit gemalten Scheibenbildern sowie die weiteren Kategorien: Haupt / Kranz / Glück / Meister / Adler und Jux. Um die Schützen-Veranstaltung attraktiv zu gestalten, hatten die Verantwortlichen einen reichhaltigen Gabentempel gesammelt, der im Sitzungssaal des Rathauses aufgebaut war. Die Geldpreise betrugen 4200 Mark, die Sachwerte wurden auf rund 5800 Mark geschätzt, alles in allem also rund 10 000 Mark, ein horrender Wert, Trotz des regnerischen Wetters hatte das Fest einen regen Besuch aufzuweisen gehabt und einen glänzenden Verlauf genommen. Neben dem Festplatz knallten die Büchsen der Schützen. Die Amberger Schützen waren zum Fest mit ihrer 450-Jahre alten Fahne erschienen.

Bekannte Bürger

"Die Waldsassener Schützen sollen in ihrer Tracht einen famosen Eindruck gemacht haben", so die Aussage von Zeitgenossen. Aus Waldsassen hatten sich 31 Schützen erfolgreich beteiligt, darunter so bekannte Bürger wie Josef und Franz Simon, Franz Kassecker, Hans Rockstroh, Dr. Otto Seidl, Josef Danzer, Lorenz Hahn, Josef Glück, Max Born, Johann Hack und Josef Helm.

Eigene Festzeitung

Als Bundespräsident der Veranstaltung amtierte der damalige Waldsassener Bürgermeister Christoph Gill. Gekommen war auch Bezirksamtmann Hezner aus Tirschenreuth, der die Preise verteilte. Zum Bundesschießen war eine eigene, 16-seitige Fest-Zeitung erschienen.

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