27.09.2007 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Oberpfälzer Landräte wettern gegen Transrapid - Simon Wittmann steht hinter dem Projekt "Citymonster" schockt das Land

"Mir hat noch niemand erklärt, wer den Transrapid eigentlich braucht." Mit deutlichen Worten schießt der Chamer Landrat Theo Zellner (CSU) gegen seine Parteifreunde in München. Mit den veranschlagten 1,85 Milliarden Euro hätten weit sinnvollere Projekte in Angriff genommen werden können, sagt er und rennt damit bei seinen Landratskollegen offene Türen ein.

So soll das Gefährt aussehen, das der Chamer Landrat Theo Zellner (CSU) als "Citymonster" bezeichnet: Der Transrapid in einer Computergrafik vor dem Tower des Münchner Flughafens. Grafik: dpa
von Uli Piehler Kontakt Profil

"Der Transrapid ist ein Citymonster für die Landeshauptstadt", sagt Zellner, der als Präsident an der Spitze des Bayerischen Landkreistages steht. "Er hat keinerlei Funktion für Bayern als Flächenstaat." Der CSU-Politiker ist ziemlich sauer, denn während die Staatsregierung für die Magnetschwebebahn 490 Millionen Euro locker machen will, habe es für die wichtigsten Verkehrsprojekte in der Provinz "außer Absichtserklärungen" nichts gegeben.

Veraltete Daten

"Wir brauchen dringend eine Schienenanbindung Ostbayerns an den Münchner Flughafen", betont Zellner und verweist auch auf die Bahnstrecke München-Prag. "Hier tut sich nichts." Zellner bekommt bei seiner Kritik Rückendeckung von fast allen Oberpfälzer Amtskollegen. Für Amberg-Sulzbachs Landrat Armin Nentwig (SPD) ist es "unfassbar, dass mit gigantischem Finanzaufwand mit dem Transrapid eine 20-minütige Zeitersparnis für sowieso schon Bevorzugte durchgedrückt werden soll." Ostbayern werde noch weiter abgehängt. Nentwig: "Wir und das gesamte ländliche Bayern haben diesen Irrsinn zu bezahlen." Für den Tirschenreuther Landrat Karl Haberkorn (Freie Wähler) ist das letzte Wort in Sachen Transrapid noch lange nicht gesprochen. "Der Finanzierungsplan ist überholt." Mit Zahlen aus dem Jahr 2002 könne man kein seriöses Konzept erstellen. Der Schwandorfer Landrat Volker Liedtke (SPD) sieht das genauso. "Ich denke, dass Klagen gegen das Projekt Erfolg haben."
Einzig Landratskollege Simon Wittmann (CSU) aus Neustadt ist anderer Meinung. "Das ist der richtige Weg, um den technologischen Fortschritt zu sichern", sagt er. Bayern sei ein High-tech-Land und der Transrapid eine der Antworten auf die Herausforderungen der Zukunft. "Ich warne davor, kurzfristig zu denken."

Oberpfälzer Humor

Während sich die Volksvertreter über das Für und Wider des Milliardenprojekts streiten, nimmt ein musikalisches Sprachrohr der Oberpfalz die Sache mit Humor. "Allianz Arena, Transrapid, Milliarden halten München fit. Für die Oberpfalz ist Bummelzug und Diesellok Komfort genug", dichtet Norbert Neugirg von der in Neuhaus bei Windischeschenbach ansässigen "Altneihauser Feierwehrkapelln".

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