17.09.2005 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Oberpfälzer Soldaten beim Manöver in Ägypten - Militärs aus zwölf Nationen trainieren unter ... Bundeswehr übt im Schatten der Pyramiden

von Alexander Pausch Kontakt Profil

Vier Wochen Ägypten - wer würde dazu schon Nein sagen? Doch für die 400 Soldaten der Bundeswehr, darunter rund 20 bis 30 aus der Oberpfalz, ist diese Zeit alles andere als Urlaub. Sie sind zum Manöver im Land der Pyramiden. Die Bundeswehr beteiligt sich an der multinationalen Übung "Bright Star 05". "Es ist schön warm hier, nach dem Sommer in der Oberpfalz", erzählt Hauptmann Markus Sadzio am Telefon. "Offiziell hat es 30 bis 35 Grad Celsius - im Schatten gemessen." In der Sonne dürften es wesentlich mehr sein, berichtet der Presseoffizier aus Ägypten, der zur Division Spezielle Operationen (DSO) in Regensburg gehört.

Die Übung "Bright Star" wird im Zwei-Jahres-Rhythmus vom Zentralkommando (CENTCOM) der US-Streitkräfte durchgeführt. Ziel ist es, die Beziehungen zwischen den Militärs und die Interoperabilität zwischen den US-Streitkräften, der ägyptischen Armee und dem Militär anderer Nationen zu verbessern. Die erste Übung "Bright Star" fand 1980, vor 25 Jahren, statt, damals als ein bilaterales Bodenmanöver von amerikanischen und ägyptischen Truppen.

Zwölftes Manöver

In diesem Jahr üben die Soldaten zum zwölften Mal. Das Manöver, das am 10. September begann, dauert noch bis zum 3. Oktober. Insgesamt nehmen 30 000 Soldaten teil. Sie kommen aus Ägypten, den USA, Frankreich, Deutschland, Griechenland, Italien, Großbritannien, den Niederlanden, Pakistan, Jordanien, Kuwait und Saudi-Arabien. 36 Nationen haben Beobachter entsandt.

Im Jahr 2003 war das Manöver wegen des Irak-Krieges ausgefallen. Die DSO aus Regensburg war zuletzt im Jahr 2001 in Ägypten, damals unter dem heutigen Brigadegeneral Kurt Schiebold, der später auch das erste Wiederaufbauteam im afghanischen Kundus befehligte. Erste Erfahrungen mit islamischer Kultur habe er durch seinen Einsatz in Ägypten erworben, berichtet der deutsche Offizier nach seiner Rückkehr aus Afghanistan.

Bei seinem dreitägigen Besuch im Juni 2004 in Ägypten hatte der Generalinspekteur der Bundeswehr, Wolfgang Schneiderhan, die deutsche Teilnahme an der Übung vorbereitet. Seine Gesprächspartner waren damals Verteidigungsminister Hussein Tantawy und der Generalstabschef Generalleutnant Hamdy Moustafa Waheiba. In diesem Jahr wird das deutsche Kontingent von Brigadegeneral Henning Glawatz, dem stellvertretenden Kommandeur der Division Spezielle Operationen, geführt. Das Kommando über die gesamte Übung "Bright Star 05" hat Generalleutnant R. Steven Whitcomb von der US-Armee.

Im Laufe dieser Woche kam auch US-General John Abizaid, der Kommandeur des US-Zentralkommandos (CENTCOM) nach Ägypten. In den Verantwortungsbereich von CENTCOM fällt der gesamte Nahe Osten vom Horn von Afrika bis nach Zentralasien. Abizaid leitet sowohl den Krieg im Irak als auch den Anti-Terror-Einsatz in Afghanistan und am Horn von Afrika. Der Vier-Sterne-General, der fließend Arabisch spricht, beobachtete zusammen mit dem ägyptischen Verteidigungsminister Hussein Tantawy am Donnerstag bei der Stadt al-Hamam westlich von Alexandria die übenden Einheiten.

Unerfüllte Wünsche

Mancher US-Politiker dürfte einige der Nationen - etwa Jordanier oder Ägypter -, deren Militärs sich westlich von Alexandria durch die Wüste kämpfen, liebend gerne im Irak an der Seite der US-Truppen sehen. Doch dies dürfte auf absehbare Zeit nur ein unerfüllter Wunsch bleiben, trotz aller gemeinsamen Übungen.

"Bright Star 05" ist eine kombinierte Übung, es kommen Marine, Landstreitkräfte, Marines, Special Forces und Luftwaffe zum Einsatz. Zum Kontingent der Bundeswehr gehören unter anderem Fallschirmjäger, der Einsatzgruppenversorger der Marine "Berlin" sowie Transall-Transportflugzeuge der Luftwaffe.

Für die deutschen Soldaten, die seit Anfang September in Ägypten sind, begann die Übung schon in Deutschland. "Abrücken unter Einsatzbedingungen" und "Verlegen über strategische Entfernungen" nennt die Bundeswehr das. Die Männer und Frauen sollen von Beginn an einen Einsatz üben. "Wir machen dort das, wofür wir hauptsächlich trainieren", heißt es von Soldaten der DSO. Es geht um "Evakuierungsübungen", das heißt Zivilisten aus Krisengebieten retten.

Noch haben die Soldaten nicht viel vom Land gesehen, berichtet Sadzio. Aber bei einer gemeinsamen Fallschirmsprungübung mit den Niederländern landeten die Deutschen nur 30 Kilometer von den Pyramiden entfernt im Wüstensand. "Auf der Rückfahrt ging es daran vorbei", erzählt der Offizier. Zudem würden die Soldaten an einem freien Tag eine Fahrt nach Kairo planen, um einige der Sehenswürdigkeiten zu besuchen. Ein zweite Fahrt ist nach El Alamein geplant.

Die Schießausbildung in dieser Woche absolvierten die Deutschen zusammen mit Kuwaitis. "Verständigung klappt ganz gut", sagt Sadzio. "Notfalls mit Händen und Füßen." In der Regel werde Englisch gesprochen. Zudem gebe es Bundeswehr-Dolmetscher, die Arabisch können. Das Essen ist nicht arabisch, sondern amerikanisch. Die US-Armee sorgt für die Verpflegung. "Wer da kräftig zulangt, kann schon einige Kilo zulegen."

Bad im Mittelmeer

Untergebracht sind die Deutschen in "Mubarak Military City", einem Militärstützpunkt westlich von Alexandria. "Wenn wir uns auf die Dächer stellen, sehen wir das Meer", erzählt Sadzio. So wollen die Deutschen, wenn es die knappe Freizeit erlaubt, wenigstens für ein halbe Stunde in das tiefblaue Mittelmeer hineinspringen.

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