Per Zug zum Flughafen: Finanzierung der Neufahrner Kurve steht
Anschluss mit Verspätung

Martin Zeil und Rüdiger Grube sind spät dran an diesem Freitag auf dem München Flughafen. So um die acht Jahre, wenn man es grob überschlägt. Denn eigentlich sollten schon seit 2010 Züge aus Ostbayern über die Neufahrner Kurve direkt zum Airport der Landeshauptstadt rollen.

Rechnet man die fünf Jahre Planungs- und Bauzeit mit ein, hätten die beiden also spätestens 2005 ihre Unterschriften unter den Realisierungs- und Finanzierungsvertrag für das 2,3 Kilometer lange Schienenstück südlich von Freising setzen müssen. Da aber ahnten beide noch nicht, dass sie einmal bayerischer Wirtschaftsminister und Vorstandschef der Deutschen Bahn sein würden. Zeil und Grube trifft also keine Schuld an der Verspätung.

Über die Isar

Genauso wenig wie Otto Wiesheu, obwohl der seinerzeitige CSU-Wirtschaftsminister schon kurz nach der Jahrtausendwende Hoffnung machte auf eine rasche umsteigefreie Zugverbindung von Hof und Weiden über Regensburg zum Münchner Flughafen. 2010 gab er damals als realistischen Zeitpunkt aus. Es sollte das letzte Mal gewesen sein, dass Wiesheu ein konkretes Datum für die Fertigstellung eines Bahnprojekts in Bayern nannte. Weil sich alle Ankündigungen wegen knapper Kassen beim Bund oder Planungspannen bei der Bahn regelmäßig nicht halten ließen, verzichtete Wiesheu irgendwann desillusioniert auf die Angabe von Terminen. Jetzt also soll es 2018 so weit sein. Das Planfeststellungsverfahren ist positiv abgeschlossen, die Bauzeit für das kurze zweigleisige Stück setzen Zeil und Grube unter anderem wegen der ökologischen sensiblen Querung der Isar samt ihres Auwaldes mit vier Jahren an.
Wann die Bagger aber tatsächlich anrollen können, ist noch offen. Einige Landwirte haben gegen den Trassenverlauf geklagt, weil er ihnen in dem ohnehin bereits von Autobahnen und Bundesstraßen zubetonierten Gebiet auch noch die letzten Zufahrten zu ihren Feldern abschneiden würde. Zeil hofft aber, dass die Verfahren zügig abgeschlossen werden können. Für den Minister ist die Neufahrner Kurve ein "wichtiger Meilenstein auf dem Weg, die Schienenanbindung des Münchner Flughafens in Richtung Nordostbayern zu verbessern". Zeil weiß, dass die Ostbayern sich andere, noch schnellere Varianten gewünscht hätten, aber deren Realisierung wäre eine Sache weiterer Jahrzehnte geworden.

Im Stundentakt

Und auch so sind die Vorteile für die Reisenden spürbar. Im Stunden-Takt sollen ab 2018 Regionalexpress-Züge von Regensburg umsteigefrei zum Flughafen pendeln, 20 Zugpaare täglich sind geplant. Die Fahrzeit wird sich um eine halbe Stunde auf gut 60 Minuten verkürzen. Die Kosten sind mit 83 Millionen Euro veranschlagt. Die Hälfte trägt der Bund, den Rest teilen sich Freistaat und Bahn etwa im Verhältnis drei zu eins.
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