04.08.2011 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Peter Madros aus Jerusalem bittet um Solidarität: Heiliges Land darf kein Museum werden Sorge um Christen in der Heimat Jesu

Seit Jahren wächst die Furcht, dass die Christen aus dem Land ihres Ursprungs verschwinden. Viele sind ausgewandert. Sie ziehen das Leben in der Fremde der prekären Situation in der Heimat Jesu vor. Mit einem Anteil von rund 2,4 Prozent an der Bevölkerung im Westjordanland stellen die Christen nur noch eine kleine Minderheit.

Trutzig erhebt sich die israelische Siedlung "Har Homa" auf dem Hügel neben Bethlehem. Ursprünglich hatte dieser zur palästinensischen Stadt gehört, bis er von Israel beschlagnahmt wurde. Peter Madros verurteilt den Bau der Siedlungen als illegal. Bild: paa
von Alexander Pausch Kontakt Profil

Wie viele Geistliche und Ordensmitglieder aus dem Heiligen Land mahnt deshalb auch Professor Dr. Dr. Peter Hanna Madros: "Wir dürfen es niemals zulassen, dass das Heilige Land ein Open-Air-Museum wird."

Der Priester, Mitarbeiter des Lateinischen Patriarchats in Jerusalem, reist seit vielen Jahren immer wieder nach Europa, um für Unterstützung zu werben. Mitte Juli sprach er unter anderem in Nürnberg, München und Bayreuth über die Lage der Christen in Palästina. "Es geht nicht um Politik, sondern um unser Schicksal", betont Madros. Und doch ist das, was er sagt, hochpolitisch - wie alles im Geflecht des Konfliktes zwischen Israelis und Palästinensern.

Madros berichtet von einer christlichen Familie, die zwischen Bethlehem und Gaza zerrissen ist, weil die Frau, wenn sie mit ihren beiden Kindern nach Gaza ziehen würde, nicht mehr zurückdarf und nicht einmal ihre Eltern besuchen könnte, andererseits aber ihr Mann nicht in die Geburtsstadt Jesu kommen darf.

Madros berichtet von einer christlichen Familie aus der Gegend von Bethlehem, die seit fünf Jahren gezwungen ist, Olivenöl und Oliven zu kaufen, weil ihr Olivenhain einem israelischen Tunnelprojekt zum Opfer gefallen ist. Er berichtet von Jerusalem, wo im Jahr 1945 noch 32 000 Christen lebten und heute nur noch 11 000. Viele waren gezwungen wegzugehen, weil sie keine Zukunft für sich sahen, oder ihnen war nach einem Studium im Ausland wegen israelischer Bestimmungen die Rückkehr nicht mehr möglich.
Noch immer träumen Christen wegen mangelnder Zukunftsaussichten vom Auswandern. Nichts beschreibt diesen Traum besser als ein Witz, den Peter Madros über Moses erzählt: Dieser habe gestottert. Als der Herr ihn gefragt habe, wohin er wolle, habe Moses geantwortet: "Kanaa..., Kanaa...." Darauf habe Gott ihn nach Kanaan geschickt. Tatsächlich aber habe Moses nach Kanada gewollt.

Zwei-Staaten-Lösung

Madros verurteilt den Siedlungsbau. In Ost-Jerusalem würden die Israelis die Bauten damit begründen, dass dort bis zum Jahr 1948 Juden gewohnt hätten, erläutert er und betont, wenn sie wirklich dieses Prinzip zugrunde legen wollten, wolle er sein Elternhaus in Katamon, einem Stadtteil in West-Jerusalem, zurück. Zugleich aber macht der Geistliche deutlich, wie er eine politische Lösung sieht. "Wir erkennen an, dass das jüdische Volk Anspruch auf das Heilige Land hat, aber nicht das ausschließliche Recht", sagt Madros und betont: "Als Palästinenser wollen wir einen palästinensischen Staat und keinen israelischen, als christliche Palästinenser wollen wir einen säkularen Staat und keinen islamischen."
Bisher gibt es für Christen weder Gleichberechtigung noch Religionsfreiheit. Christen dürfen Muslime weder missionieren noch kritisieren, beklagt Madros. Umgekehrt sei dies aber sehr wohl erlaubt. "Das ist das Prinzip der Beherrschung", betont er. "Seit 2000 Jahren leben Christen im Heiligen Land, der Islam ist erst 637 nach Gaza und 638 nach Jerusalem gekommen." Dennoch werde in den Schulbüchern die Anwesenheit der Christen ignoriert.

"Wir brauchen Ihre Gebete, Ihre Liebe und Ihre Solidarität", bittet Madros. "Ich lade Sie ein, die heiligen Stätten und uns zu besuchen." Er wirbt für Begegnungen, gemeinsame Gottesdienste und bittet Pilger, in Hotels von Christen zu nächtigen und in Restaurants von Christen einzukehren. "So geben Sie uns Arbeit, wir wollen keine Almosen."

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