Peter Plate (47) komponiert Lieder zum Musical "Romeo und Julia" - Zukunft in Berlin
Von Rosenstolz zu Shakespeare 2.0

"Romeo & Julia - Das Musical" feierte am 16. August vielumjubelte Premiere im Kieler "Seefischmarkt"-Theater vor 560 Zuschauern, das Event war ausverkauft wie es auch alle weiteren Vorstellungen bis zum Finale am 1. September waren oder sein werden. Was diesen Umstand für Nicht-Kieler interessant macht, ist neben dem bundesweit bekannten Daniel Karasek, der für die Regie zuständig ist, vor allem der musikalische Teil, der von Peter Plate und Ulf Leo Sommer komponiert wurde.

Der 47-jährige Plate war der männliche Teil des Erfolgsduos Rosenstolz, der vier Jahre jüngere Sommer war als Produzent, Komponist und Texter für Rosenstolz im Hintergrund tätig. Zudem waren die beiden bekennenden Homosexuellen ab 1990 ein Paar, seit 2002 verheiratet, ehe sie sich vor kurzem scheiden ließen.

Arbeitstechnisch sind die Zwei weiterhin ein Team, sie schrieben die 15 anrührenden und mitreißenden Disco-Pop-Songs für die wohl bekannteste Liebestragödie der Welt. Im Mittelpunkt der Inszenierung von Regisseur Karasek steht die erste große Liebe zweier Jugendlicher - mit all ihrer Naivität, unverdorbener Lebensfreude, ihren Sehnsüchten, der ersten suchenden Sexualität. Karasek und seine Dramaturgin Kerstin Daiber übertrugen William Shakespeares Verse in eine heutige Sprache, eine Art 2.0-Version der tragischen Romanze.

Peter Plate ist jedenfalls euphorisch nach dem Premieren-Erfolg: "Wir hoffen, dass wir dieses Musical eines Tages auch nach Berlin und in andere Städte holen können", schwärmt der langjährige Wahl-Berliner. Bis dahin können sich die Fans seiner Arbeit mit dem wunderschönen Soundtrack zu "Romeo & Julia - Das Musical" trösten, die gerade auf den Markt gekommen ist.

Was hat Sie so fasziniert am Shakespeare-Klassiker, dass Sie beschlossen haben, an dessen Musical-Neuauflage mitzumischen?

Peter Plate (47): Toll finde ich an diesem Stück mehrere Aspekte: Zum einen ist das Thema weiterhin aktuell. Dass junge Liebende aufgrund materieller und gesellschaftlicher Umstände nicht zusammen kommen dürfen, an diesem Umstand hat sich nicht viel in den letzten Jahrhunderten geändert. Ansonsten berührt mich dieses unglaubliche Drama, das in der Handlung steckt. Liebe ist ja nicht nur optimistisch, wenn man sie ernst nimmt. Und schließlich imponiert mir die Art, wie Großmeister Shakespeare den Handlungsstrang verdichtet hat und zusammen hält.

Wobei Ihre Aufgabe es ja war, sich zusammen mit Ulf Leo Sommer um die Musik zu kümmern, nicht um das Skript - richtig?

Plate: Als Ulf und ich zum Projekt stießen, hatte Daniel in der Tat die Originalvorlage bereits neu ins Deutsche übersetzt. Wobei sich die Texte unserer Lieder weitgehend an der ursprünglichen Version orientieren, denn die sind zeitlos. Die Inszenierung von Daniel spielt übrigens im Niemandsland, ist also weder der Moderne noch der Zeit ihres Entstehens verpflichtet.

Wie würden Sie die Musik von "Romeo & Julia - Das Musical" definieren?

Plate: Wie schon bei Rosenstolz wurde versucht, einen Sound zwischen möglichst vielen Stilrichtungen zu kreieren. Also: Pop, Disco, Rock, Chanson, Operettenhaftes und einiges mehr. Es sollte Musik werden, die dem Zeitgeist trotzt, so wie es das Stück ja auch inhaltlich tut: Das ist angesiedelt außerhalb der gängigen "Happy End-Mentalität". Alleine schon deshalb, weil die beiden Hauptdarsteller am Ende sterben.

Wobei es auch jede Menge Ausgelassenheit im Stück gibt. . .

Plate: Na klar, das volle Unterhaltungsprogramm. Hier herrscht schon mal Party-Stimmung. Und es gibt auch mal recht derbe Erotik zu bestaunen. Sogar Drogen spielen eine Rolle. Zumindest die erste Hälfte des Stücks ist lebensprall und komödiantisch. Wobei das Drama letztlich überwiegt.

Hat Ihr Hang zum Drama auch damit zu tun, dass Sie vor einigen Jahren am Burnout-Syndrom erkrankt waren, deshalb sogar Ihre Karriere eine Zeitlang unterbrechen mussten?

Plate: Das möchte ich nicht ausschließen. Wobei ich mit dem Begriff "Burnout" zunächst mal meine Probleme hatte, mir war der Begriffe "gelegentliche Depression" näher. Doch unabhängig davon, wie man meine Symptome bezeichnet: Ich bin dieser Krankheit dankbar, weil ich wegen ihr aus einem tiefen mentalen Loch fliehen konnte, nachdem ich sie erkannt hatte. Und irgendwann hat mein Körper gestreikt. Doch als mir klar wurde, dass es mir richtig mies ging, habe ich mich daraus befreit. Heute geht es mir wirklich gut, auch wegen einer neuer Partnerschaft seit einigen Jahren.

Dabei haben Sie mit Ihrem Ex-Ehemann Ulf Leo Sommer das Musical komponiert. War diese Kooperation nicht kompliziert?

Plate: Nein, überhaupt nicht - so merkwürdig das auf einen Außenstehenden auch wirken mag. Wir sind glücklich, wenn wir zusammen arbeiten. Und haben versucht, dieses Glück in das Musical einzubringen.

Gibt es für die nicht wenigen Rosenstolz-Fans eine Chance, dass dieses Duo noch einmal zusammen kommen wird?

Plate: Die Tür ist nicht komplett geschlossen, Anna und ich sind weiter in Kontakt miteinander. Nur haben wir momentan eigene kreative Ideen unabhängig vom Anderen, gehen eigene künstlerische Wege. Wer weiß, vielleicht münden diese Wege mal wieder in eine gemeinsame Straße. . .
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