Polizei lässt weiter nach Peggys Leiche suchen - Spuren in Mittelfranken und Thüringen
Graben nach der Wahrheit

Riesiges Medieninteresse in Lichtenberg. Polizeisprecher Jürgen Stadter hält die Journalisten auf dem Laufenden. Bild: dpa

Als Mord ohne Leiche hat der Fall Peggy einst Schlagzeilen gemacht. Jetzt, zwölf Jahre nach dem Verschwinden des Mädchens, hat die Polizei gehofft, endlich nun doch die sterblichen Überreste Peggys zu finden. Ein Anwesen mitten im oberfränkischen Lichtenberg gerät ins Visier als "möglicher Leichenablageort", wie es Polizeisprecher Jürgen Stadter formuliert.

Das Haus am Marktplatz der knapp 1100 Einwohner zählenden Stadt im Landkreis Hof liegt nur wenige Meter von Peggys früherem Wohnhaus entfernt. Doch die Suche ist bislang erfolglos.

Wurde geschlampt?

Zwei Tage lang haben sich die Ermittler schon genau im Haus umgeschaut, sie haben den Hinterhof aufgegraben, das Technische Hilfswerk fährt immer wieder Erdmaterial davon. Vor allem einen alten Abwasserkanal nehmen die Experten genau unter die Lupe. Hatten sich am Montag noch einige Lichtenberger am Rande des Polizeieinsatzes umgeschaut, so sind es am Dienstag schon deutlich weniger Zaungäste. Der Vater von Ulvi K. läuft einmal über den Marktplatz. Als er die Kameras und Mikrofone sieht, winkt er ab.

Ulvi K. ist der Mann, der als Peggys Mörder verurteilt ist und in der Psychiatrie in Bayreuth behandelt wird. Der 35-Jährige ist geistig behindert. Es gibt nicht wenige, die ihm einen Mord - noch dazu ohne Spuren und ohne Leiche - nicht zutrauen. Ein Unterstützerkreis sammelt seit Jahren Beweise, die Ulvis Unschuld belegen und den damaligen Ermittlern Schlamperei nachweisen sollen.
Zu den Entlastungszeugen gehört Dieter Teichmann. Der 73-Jährige war an jenem Tag, an dem Peggy umgekommen sein soll, mit Ulvi zum Holzmachen verabredet. Zwischen der Ankunft des Schulbusses, in dem das Mädchen saß, und der Verabredung zur Holzarbeit hätte Ulvi keine Zeit für einen Mord und für das Verstecken der Leiche gehabt, lautet die These seiner Unterstützer. "In der Zeit kann es nicht passiert sein. Ulvi war es nicht", sagt Teichmann.

Keine Festnahme

Der Bewohner des durchsuchten Anwesens ist lange von der Polizei in Bayreuth befragt worden. Offenkundig ohne Ergebnis, denn das Polizeigebäude hat er inzwischen wieder verlassen. Stadter betont: Es habe keine Festnahme gegeben. Die Polizei hat in diesen Tagen auch noch Durchsuchungen in Mittelfranken und Thüringen durchgeführt, nennt aber keine Einzelheiten.

Im Fall Peggy gibt es also weiterhin viele Fragezeichen. Neuere Spuren habe man, denen wolle man nachgehen, heißt es nur bei den Ermittlern. "Zentraler Ort" sei aber schon Lichtenberg, versichert Stadter. Heute wollen die Ermittler weiter suchen. Und wenn einmal mehr alles vergeblich war? Schließlich gab es nach Peggys Verschwinden 2001 schon -zig Aktionen. "Es gibt keine falschen Spuren für uns", sagt Stadter. Bliebe die derzeitige Suche erfolglos, "dann wissen wir, dass hier nichts ist".
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