15.04.2008 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Präsident der Ingenieurekammer: Bachelor und Master nur begrenzt anerkannt Einbahnstraßen à la Bologna

Der Bologna-Prozess sollte Studenten aus Deutschland Türen in aller Welt öffnen. Jetzt stehen sie - zumindest in der angelsächsischen Welt - an den Pforten von Wirtschaft und Hochschulen und keiner macht auf. Die Internationalisierung der Studienabschlüsse ist weitgehend fehlgeschlagen.

von Uli Piehler Kontakt Profil

Das sagt Heinrich Schroeter, Präsident der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau. "Man müsste herzhaft lachen über die Irrungen und Wirrungen deutscher Bildungspolitik, wäre die Angelegenheit nicht so skandalös", schieb der Experte aus Floß (Kreis Neustadt/WN) vor kurzem in der "Bayerischen Staatszeitung".

Markenzeichen abgeschafft

Mit dem Bologna-Prozess wurden an den Hochschulen in Deutschland beinahe alle Studiengänge für Ingenieure auf die als "international" bezeichneten Studienabschlüsse "Bachelor" und "Master" umgestellt. Der über viele Jahrzehnte zu einem international anerkannten Markenzeichen gewordene Diplom-Ingenieur wurde abgeschafft. Die Bayerische Ingenieurekammer-Bau sieht diesen Prozess kritisch. "Aus gutem Grund", wie Schroeter betont. Wer an einer deutschen Hochschule einen "internationalen" Studiengang absolviert, der erwarte zu Recht, dass sein Studienabschluss international auch anerkannt wird. Ein deutscher Bachelor werde damit seine Probleme haben, gibt Schroeter zu bedenken.
Nicht mehr die einzelnen Staaten vereinbaren die Anerkennung der Studienabschlüsse unter sich, sondern private Agenturen stellen die Regeln auf. Sie haben sich im sogenannten Washington Accord auf eine einheitliche Marschroute geeinigt. Sie sieht für den ersten berufsqualifizierenden Studienabschluss in den Ingenieurstudiengängen eine Regelstudienzeit vier Jahren vor. Die deutschen Bachelor-Abschlüsse finden damit keine Anerkennung. Denn hierzulande hält man eine Regelstudienzeit für Bachelor-Studiengänge der Ingenieure von sechs bis sieben Semestern für ausreichend.

Auf dem Holzweg

Wurde den Absolventen früher noch das 13. Schuljahr am Gymnasium angerechnet, fällt dieser Bonus mit der Einführung des G8 weg. Es sei an der Zeit, dem Wettbewerb "Wer macht die kürzesten Studiengänge?" Einhalt zu gebieten, sagt der Präsident der Ingenieurekammer. "Wenn wir vermeintlich internationale Studiengänge einführen, die international überhaupt nicht anerkannt werden, dann sind wir auf dem Holzweg. Dann sollten wird umdenken, und zwar schnell."

Der Washington Accord ist von den Ländern des Commonwealth dominiert. Bisher fehlt ein europäisches Gegengewicht. Erst wenn die Europäische Union dieses Problem gelöst hat, werde sich die Ausgangslage für Studenten aus Deutschland verbessern.

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