16.04.2007 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Premiere von "Kleiner Mann, was nun?" als Musikstück im Theater am Bismarckplatz überzeugt nur ... Eine Schlagerrevue ohne Schmiss

von Susanne WolkeProfil

Das Buch war ein Erfolg: "Kleiner Mann, was nun?" wurde sofort nach seiner Erscheinung im Jahr 1932 zum Bestseller. Der große Gesellschaftsroman über das Berlin der 1930er Jahre machte den Autor Hans Fallada weltberühmt. Die Dramatisierung dieses komplexen Handlungsplots über ein junges Paar inmitten von Arbeitslosigkeit, Inflation und aufkommendem Nationalsozialismus stellt eine echte Herausforderung dar.

Der Dramatiker Tankred Dorst und der Regisseur Peter Zadek haben sich dieser Herausforderung gestellt. Allerdings konnte die Bühnenfassung von "Kleiner Mann, was nun?", die am Samstag Premiere im Theater am Bismarckplatz hatte, dort nicht vollends überzeugen.

"Eine mitreißende Revue rund um die Dreißiger Jahre" war angekündigt. Aber mitreißend war das Stück nicht. Die Schlager - insgesamt immerhin mehr als ein Dutzend - gingen fast unter in der oft zäh dahinplätschernden Handlung, die sich über drei Stunden hinzog.

Schade, denn die Musikeinlagen waren von den Schauspielern durchwegs überzeugend interpretiert. Überhaupt spielten die altbewährten Akteure wie Doris Dubiel als alternde Berliner Schrulle oder Oliver Severin in seinen Rollen als Angestellter, Konfektionsverkäufer und Schutzpolizist in gewohnter Manier.

Etwas blass wirkte dagegen der Hauptdarsteller. Aber eigentlich wurde Steffen Casimir Roczek seiner Rolle als Johannes Pinneberg damit durchaus gerecht. Ein "kleiner Mann" ist es ja schließlich, um den sich das Stück dreht. Ein unauffälliger Angestellter, der gemeinsam mit seinem "Lämmchen" (Karolina Thorwarth) versucht, sich durchs Leben zu schlagen - ständig geplagt von Arbeitslosigkeit und Geldsorgen.

Gelungen war bei der Inszenierung im Theater am Bismarckplatz die Einbeziehung des Regensburger Ballett-Ensembles. In ihren zeitgenössischen Kostümen wirkten die Tänzer wie einem Gemälde von Otto Dix entsprungen. Und wenn Doris Dubiel dazu mit rauchiger Stimme "Berliner Luft" oder "Warum soll eine Frau kein Verhältnis haben?" schmetterte, dann wurde es wirklich mitreißend.

Leider waren diese Momente viel zu selten. Denn die vielschichtige Handlung des Romans "Kleiner Mann, was nun?" wurde für die Bühnenfassung zu wenig entzerrt. Das Resultat war eine Aneinanderreihung einzelner Handlungssequenzen, ein pflichtbewusstes Abhaken verschiedener Szenen aus der Buchvorlage, die aber oft getrost hätten gestrichen werden können.

Da stellte sich zum Beispiel die Frage, ob es nach mehrstündiger Spielzeit denn wirklich noch nötig war, eine für die Gesamthandlung völlig unbedeutende Diskussion über das Nacktbaden einzubringen. Oder ging es hier nur darum, zwei Nackte auf die Bühne zu bringen?

Insgesamt fehlte der ganzen Sache der richtige Schmiss. Was wohl auch daran lag, dass hier zwei schwer zu vereinbarende Elemente zusammengeführt wurden: einerseits Hans Falladas gesellschaftskritischer Roman, andererseits der eher oberflächliche Charakter einer Schlagerrevue. Das nach wie vor aktuelle Thema der Arbeitslosigkeit solle mit einer vergnügungssüchtigen Zeit verbunden werden, so der Hintergedanke der Regensburger Inszenierung. Jedoch konnte der Funke nicht richtig überspringen.

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