19.10.2004 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Provisionszahlungen für Ticketverkauf sollen halbiert werden - "Wenn das so ist, müssen wir ... Bahn schiebt Kioske auf das Abstellgleis

Die Bahn verkündet wieder Hiobsbotschaften. Diesmal für die Betreiber der Kioske in ihren Bahnhöfen. Ihnen flatterte die Kündigung zum 1. Januar 2005 ins Haus. Die Provisionen aus dem Fahrkartenverkauf sind der Bahn zu teuer. Statt sechs bis acht Prozent sollen den Kiosken nur noch drei bis vier Prozent des Ticketpreises bleiben.

Der Bahnhof in Vilseck: Bald ohne Kiosk? (Archivbild: Hartl)
von Uli Piehler Kontakt Profil

Wolfgang Burczyk, Betreiber des Bahnhofskiosks in Vilseck (Kreis Amberg-Sulzbach), steht mit dem Rücken zur Wand. "Unter den neuen Bedingungen kann ich nicht mehr weitermachen", sagt er. Auf dem Spiel steht nicht nur seine Existenz, sondern auch die Zukunft seiner vier Angestellten. Für ihn ist die Maßnahme völlig unverständlich. "Damit entfernt sich die Bahn noch weiter von ihren Kunden."

Viel Geld investiert

Der Kioskbetreiber hat in den vergangenen neun Jahren rund 70 000 Euro in den Vilsecker Bahnhof investiert. Burczyk und seine Mitarbeiter sind vom Morgen bis in die Abendstunden für die Fahrgäste der Bahn da, geben Auskunft, beraten und nehmen sogar Beschwerden entgegen. Burczyk: "Dass uns die Provisionen gestrichen werden, steht allen Bemühungen entgegen, die Fahrgastzahlen zu erhöhen." Hans Richthammer, der den Kiosk in Sulzbach-Rosenberg betreibt, gibt ihm Recht. Er und seine zwei Azubis bedienen bis zu 200 Fahrgäste täglich. Mit Erfolg, wie Pendler Karl Rother aus Sulzbach Rosenberg bestätigt. Für ihn wäre es eine "Katastrophe, wenn der Laden schließen müsste". Richthammer ist überzeugt: "Die Bahn spielt uns gegen Automaten aus." An den Selbstbedienungsgeräten sind die Tickets grundsätzlich billiger. Viele Sonderangebote sind nur über das Internet buchbar. "Dabei sind es wir, die uns um die 100 Fahrgäste kümmern, wenn ein Zug wieder einmal Verspätung hat."

Die aktuelle Entwicklung stößt auch bei den Kommunen auf Kritik. "Sulzbach wird zur Haltestelle degradiert", sagt Hans-Jürgen Winter, Amtsleiter für Wirtschaftsförderung bei der Stadtverwaltung Sulzbach-Rosenberg. Für ihn ist klar: Wenn der Kiosk schließt, gehen am Sulzbach-Rosenberger Bahnhof endgültig die Lichter aus. In Sulzbach-Rosenberg haben die Bahnfahrer binnen einer Woche 600 Unterschriften für die Rücknahme der neuen Verträge gesammelt. Seit Freitag liegen Unterschriftenlisten auch in Vilseck aus.

Suche nach neuem Modus

Burczyk will die Flinte noch nicht ins Korn werfen. Vor kurzem ist er nach Berlin gefahren, hat bei einer Talk-Runde im Aparthotel Berlin-Mittemit mit Bahnchef Hartmut Mehdorn gesprochen. Burczyk: "Er hat das eingesehen. Ich glaube nicht, dass das Spiel schon aus ist." Nichtsdestotrotz hat die Bahn damit begonnen, die neuen Verträge zu verschicken. Das erklärte Bahn-Sprecher Klaus Leven. Er geht davon aus, dass die Bahn mit den neuen Konditionen "einen Modus gefunden hat, mit dem sowohl wir, als auch die Verkaufsstellen klar kommen".

Deutschlandweit sind 3500 von ihnen betroffen, darunter nicht nur Bahnhofskioske, sondern auch Reisebüros. In der Region sind unter anderem die Bahnhöfe in Hersbruck (Kreis Nürnberger Land), Burglengenfeld (Kreis Schwandorf) und Regenstauf (Kreis Regensburg) mit den Problemen konfrontiert.

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