Radieschen haben jetzt wieder Saison - Ätherische Öle sollen Feinde abhalten
Rot, rund und gesund

Radieschen lassen sich zu Mäusen oder Pilzen schnitzen (ganz links und links), schmecken als warmes Gemüse (rechts) oder als Suppe (ganz rechts). Ausprobieren!

Eigentlich ist der typische Geschmack des Radieschen ein Teil der Abwehrstrategie der Pflanze gegenüber allzu hungrigen Tierchen. Wenn diese die Knolle anknabbern, werden ätherische Öle frei. Diese sind ziemlich scharf und sollen dafür sorgen, dass (tierische) Fressfeinde von der Pflanze ablassen. (Menschliche) Freunde macht sich das Radieschen aber unter Feinschmeckern gerade wegen dieses speziellen Aromas.

Den deutschen Name "Radieschen" verdankt die knackige Pflanze dem Umstand, dass sie unterirdisch wächst. Die Bezeichnung stammt vom lateinischen Wort "Radix" ab, was Wurzel bedeutet. Woher die Pflanze ursprünglich stammt, ist unbekannt. Erst relativ spät schaffte es das Radieschen in die europäische Küche. In Deutschland liegt das Hauptanbaugebiet in der Pfalz. Dabei gibt es frühe Sorten, aber auch Sommerradieschen.

Das "klassische" Radieschen ist klein, rund und rot, das Innere der Knolle weiß. Es gibt jedoch auch zylindrische bis länglich ovale Sorten. Die Farbpalette reicht von weiß über gelb, weiß-rot bis hin zu violett.

Nur 14 Kalorien

Aufgrund eines Wassergehaltes von über 90 Prozent liefern Radieschen lediglich figurfreundliche 14 Kilokalorien pro 100 Gramm. Zudem steckt in dem buntem Gemüse Vitamin C, das die Immunabwehr ankurbelt und für die Kollagenbildung und das Bindegewebe wichtig ist. Bei den Mineralstoffen sind Magnesium, Kalium und Eisen zu nennen. Magnesium benötigt unser Körper für die Muskeltätigkeit. Dabei spielt auch Kalium eine Rolle. Zusätzlich reguliert dieser Mineralstoff den Blutdruck. Bei Eisenmangel kann es zu Blutarmut, Müdigkeit und Konzentrationsstörungen kommen. Für den charakteristischen scharfen Geschmack der Radieschen sind Glucosinolate (Senfölglycoside) verantwortlich. Dabei sind kleinere Knollen häufig schärfer als größere. Auch das im Freiland angebaute Gemüse besitzt meist ein schärferes Aroma als Gewächshaus-Ware. Die Senfölglycoside zählen zu den sekundären Pflanzeninhaltsstoffen und zeigen gesundheitsfördernde Wirkung. Sie können das Immunsystem und Herz-Kreislauf stärken und krebsvorbeugend wirken. Außerdem können Radieschen die Verdauung unterstützen.

Gute Freilandware

Radieschen zählen zu den nitratreichen Lebensmitteln. Nitrat ist ein Nährstoff, den Pflanzen für das Wachstum benötigen. Bei wenig Licht und Überdüngung wird mehr Nitrat gespeichert. Nitrat ist ungefährlich, kann aber durch Bakterien zu Nitrit umgewandelt werden. Nitrit kann bei Säuglingen den Sauerstofftransport im Blut verhindern. Zudem können mit Eiweiß Nitrosamine entstehen, die im Tierversuch krebserregend sind. Vitamin C kann das verhindern (z.B. Orangensaft, Paprikaschoten). Am besten Gemüse saisonal und als Freilandware kaufen, dieses enthält meist weniger Nitrat. Auch Bioprodukte weisen häufig geringere Nitratwerte auf. Radieschen aus dem eigenen Garten sollte man möglichst abends ernten, da nach längerem Lichteinfall Nitrat abgebaut wird.

Beim Einkauf darauf achten, dass die Radieschen knackig und fest sind und keine Dellen oder Risse aufweisen. Auch das meist noch vorhandene Laub gibt Aufschluss über die Frische der Ware. Welke Blätter zeigen, dass die Radieschen schon länger im Regal liegen. Da das Laub dem Gemüse bei der Lagerung Wasser entzieht, sollte man es entfernen. Dieses muss aber nicht weggeworfen werden, sondern kann ähnlich wie Spinat zubereitet werden. Die Knollen am besten in ein feuchtes Tuch einwickeln und im Kühlschrank im Gemüsefach aufbewahren. So halten Radieschen zwei bis drei Tage. Danach verlieren sie Wasser und werden weich.
Da das Gemüse so knackig und frisch ist, bietet es sich an, roh zu verwenden. Beliebt ist es im Salat, am Stück oder in Scheiben geschnitten als Brotbelag. Probieren Sie Radieschen doch mal fein geraspelt als leckere Dip-Zutat. Kaum weg zu denken ist das dekorative Gemüse als Garnitur für kalte Platten. Manche Köche werden zu wahren Künstlern, wenn es darum geht, kleine Röschen oder Tierchen zu "schnitzen".

Mit Wasabi verwandt

Wenn Ihnen Radieschen noch nicht scharf genug sind, dann probieren sie doch einen Verwandten in Grün: Wasabi. Zu Pasten verarbeitet kommt diese Pflanze in der japanischen Küche zum Einsatz. Im Selbstversuch können sie feststellen, dass die Nase richtig frei wird und die Schärfe - im Gegensatz zu dem alternativen Scharfmacher Chili - relativ schnell wieder verfliegt. Falls Ihnen aber schon manchmal die roten Radieschen zu scharf sind, können sie mit Salz die Schärfe etwas neutralisieren.

Susanne Gerhard ist promovierte Ökotrophologin. Sie besuchte in Weiden das Elly-Heuss-Gymnasium (Abitur 1988) und lebt heute mit Mann und zwei Kindern in der Nähe von Hamburg. Dort leitet sie Koch- und Abnehmkurse für Kinder und Erwachsene und schreibt regelmäßig Artikel zum Thema Ernährung und Gesundheit.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.