06.06.2012 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Regierungsberater fordern radikale Öko-Reformen "Grünes Wachstum"

von Agentur DPAProfil

Peter Altmaier erinnert sich noch genau an die schwarzen, giftigen Ablagerungen am Ufer der Saar. "Eine dunkle, stinkende Brühe war das in den sechziger Jahren", berichtet der CDU-Bundesumweltminister (53) aus seiner Kindheit. Es folgte ein Umsteuern, auch dank Umweltbewegung und Grünen. Heute, wo an der Ruhr der Himmel wieder blau und der giftige Schaum auf den meisten Flüssen verschwunden ist, gibt es neue, komplexe Herausforderungen.

Die Energiewende ist nur ein Ansatz auf dem Weg zu einer Abkehr vom Leben auf Pump, auf Kosten von Natur und Rohstoffen. "Grünes Wachstum" lautet das Zauberwort. Deutschland könnte hier ganz vorne mitspielen. Bis Mittwoch noch ist im Park von Schloss Bellevue auf Einladung von Bundespräsident Joachim Gauck bei der "Woche der Umwelt" die ganze kreative Palette der Umweltpolitik zu sehen. Altmaier will sich für Wege hin zu einem grüneren Wirtschaften auch Mitte Juni beim UN-Umweltgipfel in Rio de Janeiro einsetzen.

Menschenwürdiges Leben


Auch Gauck brennen diese Fragen auf den Nägeln, er fragt in seiner Eröffnungsrede am Dienstag: "Wie können wir in Zukunft gut leben und wirtschaften, ohne dafür große Mengen an fossilen Bodenschätzen zu verbrauchen? Wie vermeiden wir es, Böden, Atmosphäre und Meere zu vergiften? Wie kann es uns gelingen, für heute sieben, später acht oder gar neun Milliarden Menschen Bedingungen für ein menschenwürdiges Leben zu schaffen?"

Während Deutschland zum Sonnen- und Windstromland werden will und schon fast 65 Prozent seines Hausmülls wiederverwertet, wird in vielen Staaten hemmungslos weiter auf Kosten von Ressourcen und Umwelt gelebt. Martin Faulstich, Vorsitzender des Sachverständigenrats für Umweltfragen (SRU), zeigt eine Übersicht an Grafiken: Der Verbrauch fossiler Rohstoffe wie Öl, Gas und Kohle, der CO2-Ausstoß, der Güter-, Luft- und Schiffsverkehr: Alle Kurven zeigen steil nach oben. "Ein Absinken ist leider fast nirgends auszumachen." Die vom Club of Rome einst beschworenen Grenzen des Wachstums rücken näher.

Riesiger Flächenverbrauch

In Kanada werden gewaltige Flächen für immer unbrauchbar gemacht, weil die Ausbeutung der Ölsände helfen soll, dass weiter Millionen Autos fahren und Flugzeuge fliegen können. In Deutschland soll unter Einsatz von Chemikalien künftig Gas aus tiefen Gesteinsschichten gewonnen werden - Bürger fürchten eine Verseuchung des Trinkwassers.

Die Lausitz und die Region um Garzweiler in Nordrhein-Westfalen sehen wegen des sich immer weiter vorfressenden Braunkohleabbaus aus wie Mondlandschaften.

Der SRU hat ein Werk vorgelegt, in dem Vorschläge zum Umsteuern gemacht werden. "In einer begrenzten Welt kann es kein unbegrenztes Wachstum geben", sagt Faulstich. Das Beratergremium der Bundesregierung betont, es müsse künftig um eine Entkopplung von Wirtschaftswachstum und Ressourcenverbrauch gehen.

Folgen des Konsums

In den Fokus nimmt der SRU aber auch die Folgen unseres Konsums. Laut einer Studie wirft jeder Bundesbürger im Schnitt knapp 82 Kilo Lebensmittel im Jahr weg.

"Der hohe Konsum tierischer Produkte in Deutschland, welche je Kalorie deutlich mehr Fläche als pflanzliche Produkte beanspruchen, ist im Hinblick auf die wachsende Weltbevölkerung und die gravierenden Umweltfolgen einer intensiven Landwirtschaft nicht global verallgemeinerungsfähig", wird vom SRU betont.

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