10.03.2005 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Regierungspräsident Dr. Wolfgang Kunert: Oberpfalz verkauft sich oft unter Wert - Der Norden ... "Region muss sich Stärken auf die Fahnen schreiben"

Die Naturschönheiten der Oberpfalz hat er sich als Wanderer und Radfahrer längst genauer besehen - jetzt studiert er die Oberpfälzer Eigengewächse, wie sie vorwiegend in Landratsämtern und Rathäusern vorkommen. 100 Tage nach seinem Amtsantritt reist der neue Regierungspräsident Dr. Wolfgang Kunert immer noch von Antrittsbesuch zu Antrittsbesuch durch den Bezirk.

Dr. Wolfgang Kunert bei seinem Besuch im Medienhaus Der neue Tag. (Bild: Karin Wilck)
von Uli Piehler Kontakt Profil

"Ich will einen persönlichen Draht zu den Menschen haben", sagt der höchste Beamte des Bezirks. Mit seinem neuen Amt schließt sich für den 61-Jährigen ein Kreis. Geboren in Teplitz-Schönau im Sudetenland, aufgewachsen in Nürnberg und nach einer mehr als 30-jährigen Beamtenlaufbahn in München, hat Dr. Wolfgang Kunert Verantwortung für jene Region übernommen, deren Entwicklung er in all der Zeit aus den verschiedensten Blickwinkeln beobachtet hat.

"Mir ist aufgefallen, dass sich die Oberpfalz oft unter Wert verkauft", sagt der Spitzenbeamte, der sich seine Meriten u.a. als Leiter der Abteilung Kommunalwesen bei der Regierung von Oberbayern verdient hat. Die Menschen in der Region müssten lernen, sich ihre Stärken auf die Fahnen zu schreiben. Dazu könnten Politik, Wirtschaft und Kultur wichtige Beiträge leisten. "Was wir brauchen, ist so etwas wie ein Binnenmarketing. Wir müssen uns unserer Stärken erst einmal selbst bewusst werden, bevor wir versuchen, andere davon zu überzeugen."

Das gelte insbesondere für die Menschen im Norden des Bezirks. "Der Landkreis Tirschenreuth hat andere Stärken als Stadt und Umland von Regensburg", sagt Kunert, der nur einen Katzensprung vom Regierungssitz in Regensburg entfernt eine "Single-Wohnung" gemietet hat. Das wirtschaftliche Nord-Süd-Gefälle in der Region habe er durchaus zur Kenntnis genommen. "Jammer hilft nicht", sagt er. "Der Norden muss stärker die Naturkarte spielen."

Für die Tirschenreuther genauso wie die Regensburger will Kunert eine "moderne, schlagkräftige Verwaltung" aufbauen. Erklärtes Ziel seiner rund 650 Mitarbeiter sei es, den Bürgerinnen und Bürgern zur Seite zu stehen - möglichst ohne lange Wartezeiten und viel Papierkram. Dass dies durch die Schwindsucht der öffentlichen Kassen kein einfaches Unterfangen wird, verhehlt der Behördenchef nicht. Ungefähr 200 Stellen wird auch die Regierung in Regensburg streichen müssen.

Doch der Regierungspräsident kann dem auch Positives abgewinnen: "Das kann auch zur Effizienzsteigerung führen." Genauso, wie die Schließung der Teilhauptschulen auf dem Land den Hauptschulen insgesamt ein schärferes Profil gebe. "Die Teilhauptschulen zu begradigen und damit die Hauptschullandschaft zu stärken - das hat schon was", sagt Kunert, der in den 70er-Jahren beim Landratsamt München unter anderem für das Schulwesen zuständig war. Freilich müsse jeder Einzelfall genau geprüft werden.

Verschlanken, Synergien nutzen, Kräfte bündeln - um die Sparvorgaben der Staatsregierung umzusetzen, sei Kreativität gefragt. Wie bei der Zusammenlegung der Unterkünfte für Asylbewerber im Bezirk. Die Zahl der Antragsteller ist drastisch gesunken, ganze Heime stehen leer. Nur noch gut 1000 Bewerber waren es im Jahr 2004, bis zu 7600 waren es früher. "Da muss man eben Vorschläge machen, wie hier Kosten gespart werden können." Für den Landkreis Schwandorf habe die Regierung mit dem zentralen Heim in Teublitz eine gute Lösung gefunden. "Da wird es auch ein paar Zuckerln für Teublitz geben", lässt Kunert durchblicken.

Bezirke nicht gefährdet

Trotz aller Sparvorschläge: Um die Zukunft der bayerischen Bezirke ist dem Regierungspräsidenten nicht bange: "Wer, wenn nicht wir, soll unsere Aufgaben übernehmen?" Die Bündelung von Zuständigkeiten bei einer "staatlichen Mittelbehörde" wie der Bezirksregierung sei äußerst sinnvoll und habe sich über lange Jahre bewährt. Auch wenn das Gespenst von der Abschaffung der Bezirke immer wieder mal durch die Politik geistert: "Die Bezirke sind immer gestärkt aus solchen Überlegungen hervorgegangen."

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.