16.07.2013 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Russische Dealer agierten im Raum Amberg - Volle Härte bei Strafen Krönung durch den "Weihrauchbeutel"

Drakonische Strafe für schwere Verbrechen: Weil er als Mitglied einer russischen Bande mit Heroin und Haschisch dealte, sich zudem auch an einem spektakulären Einbruch beteiligte, ist ein in Amberg lebender Übersiedler (35) vom Landgericht Nürnberg-Fürth zu 14 Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt worden.

von Autor HWOProfil

Der Prozess hatte im November 2012 begonnen, er umfasste insgesamt 44 Verhandlungstage. Im Verlauf des Verfahrens wurden weit über 100 Zeugen gehört, es gab rund 60 000 Protokollseiten zu polizeilich abgehörten Telefongesprächen.

In der Sauna verteilt

Das Urteil war schließlich zumindest im Fall des in Amberg wohnenden Mannes aus Sibirien spektakulär: "Er war mit dabei", sagte die Kammervorsitzende Barbara Richter-Zeininger in ihrer zweistündigen Begründung, "als mehrere Kilo Heroin und etliche Kilogramm Haschisch nach Deutschland gebracht wurden." Verteilerstationen waren eine Sauna in Sulzbach-Rosenberg und eine Wohnung im Amberger Dreifaltigkeitsviertel. Der 35 Jahre alte Familienvater, so hielt das Gericht für erwiesen, sei außerdem als Täter in einen Einbruch verwickelt gewesen, bei dem in einem Nürnberger Outlet-Center Textilien für nahezu 100 000 Euro abhanden kamen. Die Beute wurde anschließend nach Sulzbach-Rosenberg gebracht. Mittäter waren dazu eigens aus Weißrussland eingeflogen worden.
Es gab noch einen zweiten Angeklagten, der relativ glimpflich davonkam. Der Mann, ein in Sulzbach-Rosenberg wohnender Weißrusse, war zwar nach Überzeugung der Ersten Strafkammer "Mitglied in der Bande", er hatte auch Kenntnis von den Abläufen. Jedoch konnten ihm im Hinblick auf die Drogengeschäfte keine Aktivitäten nachgewiesen werden. "Und nur Aktivitäten wären strafbar", ließ die Vorsitzende anklingen. Allerdings muss der 36-Jährige für drei Jahre und neun Monate hinter Gitter, weil er sich am Einbruch in das Nürnberger Outlet-Center beteiligt hatte. Die Staatsanwaltschaft wollte ihn acht Jahre eingesperrt sehen.

In der ungewöhnlich ausführlichen Urteilsbegründung klang wiederholt an, dass an den Drogengeschäften auf internationaler Ebene mehrere Dutzend Männer beteiligt waren. Einige von ihnen haben zwischenzeitlich ebenfalls hohe Haftstrafen bekommen. Zum Beispiel ein Sulzbach-Rosenberger, der zwei Kilo Heroin beschaffte und dafür neun Jahre erhielt. Auch das verdeutlichte sich: Die Wurzeln der Vereinigung reichten bis Moskau.

Anruf aus der Oberpfalz

Bei dem von dort aus operierenden Chef der Drogenhändler wurde eines Tages von der Oberpfalz aus angerufen und gefragt, ob es denn tatsächlich stimme, dass einem der Bandenmitglieder "ein Weihrauchbeutel umgehängt worden ist." Diese Frage wurde bejaht. Was das bedeutete, schilderte die Vorsitzende Richterin so: "Der Mann stand unter dem besonderen Schutz des Chefs, es bedeutete für ihn die sogenannte Krönung."

Als die beiden Übersiedler nach dem unter besonderen Sicherheitsvorkehrungen stehenden Prozess abgeführt wurden, stand fest: Sie werden demnächst vor der gleichen Strafkammer erneut erscheinen müssen. Abermals geht es dann um Drogendeals und Rauschgiftgeschäfte großen Stils. Zuvor aber überlegen die Amberger Strafverteidiger Jörg Jendricke und Michael Ponsel, ob sie gegen die fast 15 Jahre für ihren Mandanten Revision einlegen.

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