28.10.2004 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Scharon nutzt den Rückzug als Ablenkungsmanöver

von Alexander Pausch Kontakt Profil

Ariel Scharon bricht ein Tabu. Erstmals nimmt ein israelischer Regierungschef den Rückzug aus besetztem palästinensischen Gebiet in Angriff. Mehr noch, ausgerecht der größte Förderer der Siedler will nun die völkerrechtswidrig errichteten Städte räumen.

Mit seiner Kehrtwende hat Scharon nicht nur die Siedler, sondern auch viele Freunde vor den Kopf gestoßen. Für sie ist der Premier ein Verräter. Längst wird er von Extremisten in einem Atemzug mit dem ermordeten Itzhak Rabin genannt: "Wir haben Rabin getötet, wir erledigen auch Scharon." Der Likud-Mann hält den Siedlern seinerseits vor, sie hätten einen messianischen Komplex. Trotz des historischen Beschlusses ist es verfrüht, in Euphorie auszubrechen. Der Rückzug aus dem Gaza-Streifen erfolgt ohne Abkommen mit den Palästinensern. Deshalb wird die Gewalt zunehmen. Die israelische Führung will den Abzug nicht als Triumph der militanten Palästinenser verstanden wissen. Daher wird sie noch unerbittlicher auf jede Attacke antworten, um so Stärke zu zeigen.

Zum anderen geht der Siedlungsausbau im Westjordanland weiter. Wenn es Scharon ernst meinen würde mit seiner Warnung, Israel könne nicht auf Dauer über Millionen Palästinenser herrschen, würde er auch diese Siedlungen abbauen. So aber gilt seine andere Aussage: Der Rückzug aus Gaza soll Israel stärken, damit es an Gebieten festhalten könne, die für das Land lebenswichtig seien.

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