13.08.2014 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Schikanen stellen die Freundschaft auf die Probe - Als Gesprächspartner bereitstehen Mobbing entgegentreten

Es fing ganz harmlos an. Im Matheunterricht an einem Düsseldorfer Gymnasium: Daniela (17) musste an die Tafel und etwas vorrechnen. "Das mag sie nicht und hat sich natürlich direkt verrechnet", erzählt Jessica (16). Ein Mitschüler hat einen dummen Spruch gerissen, und die ganze Klasse lachte. "Und ich mit", gibt Jessica zu. "Über meine beste Freundin."

Mobbing-Opfer sind nicht selten allein mit ihrem Kummer. Bild: dpa
von Agentur DPAProfil

Die dummen Sprüche hörten nicht mehr auf. Vor jeder Mathestunde kam ein neuer dazu. Das Tuscheln und Grinsen dehnte sich auf die anderen Fächer und die Pausen aus. Und schließlich wurde Daniela nur noch mit ihrem neuen ironischen Spitznamen "Mathe-Ass" gerufen.

"Fatale Folgen"

Wenn es nicht bei einmal Ärgern bleibt und eine Person über längere Zeit schikaniert wird, spricht man von Mobbing, erklärt Ina Brecheis, Pädagogin bei Klicksafe, einer EU-Initiative für mehr Sicherheit im Netz in Ludwigshafen. Und das Mobbing endet nicht mit Schulschluss. Durch Internet und Smartphones erreichen die Beleidigungen das Opfer rund um die Uhr und überall. "Das hat fatale Folgen für die Psyche. Es gibt keinen geschützten Raum mehr", sagt Brecheis.

Mobbing und Cybermobbing gehören eng zusammen, eine Grenze lässt sich schwer ziehen. Die Gefahr beim Cybermobbing: "Das Mobbing zieht ganz schnell große Kreise", sagt Rosemarie Hannemann, Diplom-Sozialarbeiterin bei der Jugendberatung Zittau. "Man muss nur mal eben "Gefällt mir" klicken und schon ist es weiter verbreitet." Die Hemmschwelle sei online viel niedriger, weil man sein Gegenüber nicht sieht. Aber es gibt auch einen Vorteil: "Cybermobbing ist öffentlich und greifbar", sagt Hannemann. Es könne nicht geleugnet oder vertuscht werden. Auch Jessica hat erst online mitbekommen, wie ernst die Situation ist. "In der Schule waren die Sprüche schon nervig", erinnert sie sich, "aber die krassen Beleidigungen fingen bei Facebook an." Als sie das las, sprach Jessica ihre Freundin darauf an. Daniela hatte ihr vorher nichts gesagt, ging dem Ärger lieber aus dem Weg und zog sich zurück.

Wenn sich der beste Freund so stark verändert, benötigt er dringend Hilfe. "Ein offenes Ohr ist das Wichtigste", erklärt Brecheis von Klicksafe. "Dann kann das Mobbingopfer den ganzen Frust rauslassen und mit jemandem auf Augenhöhe reden." Die besten Freunde seien meist die ersten Gesprächspartner. Erst danach wenden sie sich an Eltern, Lehrer oder Schulpsychologen.

Wer für den gemobbten Freund da ist und mit ihm darüber spricht, macht schon mal alles richtig. Jessica und Daniela wollten keine Erwachsenen ansprechen. Das Vertrauen fehlte. Aber Jessica sprach Mitschüler an, mit denen sie sich gut versteht. "Die meisten wurden erst jetzt wachgerüttelt und verstanden, dass da eine Grenze überschritten wurde." Bei den nächsten dummen Sprüchen gaben sich die Mitschüler genervt, rollten die Augen, gingen gelangweilt weg und zeigten Desinteresse. "Ein bisschen hat es gedauert, aber irgendwann war es den Mobbern zu doof weiterzumachen", sagt Jessica.

Klar positionieren

Die Täter direkt anzusprechen, haben sich die Freundinnen nicht getraut. "Manche machen das", weiß Hannemann von der Jugendberatung. Dazu sei aber viel Mut und Selbstbewusstsein nötig. Pädagogin Brecheis warnt aber auch: "Für viele Jugendliche kann das gefährlich sein. Sie haben Angst, selbst gemobbt zu werden." Das dürfe aber nicht dazu führen, dass man dem gemobbten Freund den Rücken kehrt, um sich selbst zu schützen. Wer Stellung bezieht, ein offenes Ohr hat und hilft, Verbündete zu suchen, macht die Freundschaft sogar noch intensiver.

Jessica und Daniela tat es gut, die schwere Zeit gemeinsam durchzustehen. "Seitdem erzählen wir uns sogar noch viel mehr, sprechen über mehr Probleme, Ängste und Geheimnisse. Das tut gut", sagt Jessica. Ihre Freundschaft ist noch enger geworden.

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