31.03.2009 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Schloss Neidstein an Anwalt verkauft - "Jetzt eine regionale Nutzung sicherstellen" Cage-Romanze ohne Happy End

Für einen vorgezogenen Aprilscherz bietet sich das Thema sicher nicht zwingend an, wenngleich sich am Dienstag gar mancher verwundert die Augen rieb und zunächst Zweifel an der Nachricht hegte: Schloss Neidstein (Landkreis Amberg-Sulzbach) wechselt nach gerade mal drei Jahren erneut seinen Besitzer.

Der Traum von Hollywood ist geplatzt: Schloss Neidstein bei Etzelwang wird nicht das neue Zuhause von Nicolas Cage. Archivbild: Unger
von Erich Lobenhofer Kontakt Profil

US-Filmstar Nicolas Cage trennte sich von dem ihm so ans Herz gewachsenen Kleinod hoch droben über der Ortschaft Tabernackel. Er reichte die Schlüssel weiter an seinen Berater vor Ort, den Amberger Rechtsanwalt und CSU-Stadtrat Dr. Konrad Wilfurth. Das versteckt auf Felsen thronende kleine Schloss, das einst der Adelsfamilie derer von Brand gehörte, hatte den Oscar-Preisträger regelrecht verzückt - nicht nur wegen seiner Abgeschiedenheit, sondern auch wegen der Bauweise. Geradezu schwärmend hatte er 2006 gegenüber einer Immobilienmaklerin gemeint, Neidstein sei "so richtig authentisch und sehr familiär". Noch vor einem Jahr sagte er: "Wir waren sofort verliebt. Es war wie für uns bestimmt."

An Hausmeister gedacht

Ob es die Wirtschaftskrise mit rasant zusammenbrechenden Immobilienpreisen in den USA ist, ob Cage Auflagen des Denkmalschutzes Kopfzerbrechen bereiteten oder ob er einfach die Lust an diesem Objekt verloren hat, bleibt im Augenblick unklar.

Doch selbst wenn er das Interesse an dem historischen Gemäuer verloren haben sollte - das Hausmeisterehepaar Heinz und Anna Breitfelder hat der Schauspieler nicht vergessen. Nicht genug damit, dass er einmal zu Weihnachten ein riesiges Geschenkpaket in die Oberpfalz geschickt hatte, brachte er sich nun bei seinem Auszug vor dem Einzug nachhaltig in Erinnerung: Er ließ den Breitfelders ein großes Holzbild überreichen, ähnlich einer Schützenscheibe. Auf dem findet sich ein Gemälde von Neidstein, samt aus dem Fenster winkendem Schlossgeist, versteht sich. Und mit dem Bild des Schäferhundes, den Cage bei seinen drei Besuchen ins Herz geschlossen hatte.

In der Wirtsstube

Dieses Unikat hängt nun an der Wand in der ehemaligen Wirtsstube von Neidstein, in der Breitfelder früher ausschänkte und in der er heute wohnt. Zu lesen sind darauf der Hinweis auf 40 Jahre Hausmeistertätigkeit für das Schloss und der Name von Nicolas Cage. Übergeben hatte dieses Quasi-Abschiedsgeschenk vergangenen Donnerstag Ortwin Freyermuth, der aus Deutschland stammende Justiziar des US-Stars. Vorausgegangen war ein Notartermin in Amberg, bei dem der Übergang der Immobilie samt Ländereien an Cages Berater in der Oberpfalz, Rechtsanwalt Dr. Konrad Wilfurth, besiegelt wurde. Gleich danach ging es nach Neidstein zur Schlüsselübergabe von Freyermuth an das Ehepaar Wilfurth vor dem Schlosstor. Dazu ertönten Sektgläser und es wurde auf den Besitzerwechsel angestoßen.

Erst nach Ostern

Über die Höhe des Kaufpreises darf spekuliert werden. Als Cage das Schloss 2006 erworben hatte, sollen 1,9 Millionen Euro dafür geflossen sein. Wilfurth selbst konnte nicht befragt werden. Er hatte am Dienstag eine siebenzeilige Presseerklärung durch sein Büro versenden und ausrichten lassen, er sei erst nach Ostern zu sprechen. Wie zu hören war, soll er zu einer Urlaubsreise in den USA aufgebrochen sein.

In Wilfurths Verlautbarung war die Rede davon, dass sich die ursprüngliche Neidstein-Planung "als nicht realisierbar herausgestellt" habe. Mit der jetzigen Entwicklung könne "eine regional eingebundene Nutzung des Objekts so weit als möglich sichergestellt werden". Der Anwalt will Nutzungskonzepte entwickeln und wird wohl auch die Sanierung anpacken.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

Videos

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.