08.05.2010 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Seit 1960 ununterbrochen CSU-Leute auf dem Bürgermeister-Sessel Ein halbes Jahrhundert

Am 1. Mai hätte eigentlich bei der Waldsassener CSU ein rundes beziehungsweise ein seltenes Jubiläum gefeiert werden können: Das Amt des Bürgermeisters wird seit 50 Jahren ununterbrochen jeweils von einem CSU-Mann bekleidet.

von Autor TMLProfil

Zwei Monate vor der Kommunalwahl am 27. März 1960 hatten Parteien und Wählergruppen ihre Bewerber zu nominieren. Der damalige Bürgermeister Andreas Bernreuther von der Parteilosen Gruppe, der seit 1948 amtierte, war im Januar 1960 des Dienstes enthoben worden: Ihm war vorgeworfen worden, sich bei der Verwertung von Baumaterial aus dem Abbruch des ehemaligen Klostergasthofes unkorrekt verhalten zu haben. Den örtlichen Untersuchungsausschuss hatte Bernreuther im Stadtrat sogar selbst initiiert.

Somit war der bisherige Bürgermeister an einer Kandidatur gehindert. Für alle Parteien war der Weg frei zur Neuorientierung. Zum Wahlkampfes wurden gleich vier Bürgermeister-Kandidaten nominiert - von der CSU der Finanzbeamte Franz Fischer; von der SPD der Rentner Wilhelm Lindner; von der Gruppe "Parteilos" der Buchdrucker Alfred Maenner und für den Gesamtdeutschen Block/BHE der Kraftfahrer Alfred Franke.

"Schauspiel der Uneinigkeit"

Alle Bewerber waren vom Vertrauen ihrer Anhänger und Freunde getragene Kandidaten und in der örtlichen Kommunalpolitik versiert. Dass sich in der Klosterstadt bei einer Kommunalwahl aber gleich vier Bewerber für das Bürgermeisteramt aufstellen ließen, wurde von der SPD bzw. in der örtlichen Presse allerdings als "einmaliges Schauspiel der Uneinigkeit" glossiert. Persönliche Verunglimpfungen allerdings gab es nicht. Bei dem mit Spannung erwarteten Wahlausgang am 27. März 1960 erreichte keiner der vier Bewerber die absolute Mehrheit. Bei der Stichwahl am 3. April 1960 zwischen Franz Fischer und Alfred Maenner gewann der CSU-Bewerber mit 2702 Stimmen (65,4 Prozent) klar. Gegenkandidat Alfred Maenner bekam 1341 Stimmen (32,4 Prozent).
Als Neuerung hatte der Gesetzgeber bestimmt, dass die Wahlperiode nunmehr sechs Jahre umfasst, anstelle der bisherigen vierjährigen Amtszeit. Bei der ersten, öffentlichen Stadtratssitzung am 9. Mai 1960 dann die Vereidigung des neu gewählten Bürgermeisters durch den bisherigen Zweiten Bürgermeister Wilhelm Lindner und die Vereidigung der neu gewählten Stadtratsmitglieder.

Die Sitzung fand im damaligen Rathaus statt, in dem sich heute das Stiftlandmuseum befindet. Zum Zweiten Bürgermeister wählte der Stadtrat wiederum Wilhelm Lindner (SPD). Dem Bürgermeister samt Stadtrat stellten sich damals zahlreiche drängende Aufgaben und Projekte, allen voran die Linderung der Wohnungsnot. So erlebte die Stadt Waldsassen ab 1960 nach und nach eine überzeugende, auf vielen Gebieten sichtbar gewordene Verbesserung ihrer Infrastruktur. Besonders markante Entscheidungen bildeten übrigens der Bau der Hauptschule 1970 sowie der Umbau des Schulhauses am Basilikaplatz zum neuen Rathaus und dessen Bezug im Mai 1973.

Erfolgreich und dynamisch

Aufgrund seiner Popularität und seines Elans konnte Franz Fischer 30 Jahre lang als erfolgreicher und dynamischer Bürgermeister bis 30. April 1990 sein Amt ausüben. Auch seine Nachfolger im Bürgermeisteramt, nämlich Hans Schraml (1990 bis 1996) und Herbert Hahn (1996 bis 2008) waren aus CSU-Reihen hervorgegangen. Seit 1. Mai 2008 führt nun Bernd Sommer als CSU-Bürgermeister die erfolgreiche Tradition fort.

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