09.07.2014 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Sieger aus Erbendorf und Schwandorf Gewinner der Wiesenmeisterschaft stehen fest

Sieger bei der Oberpfälzer Wiesenmeisterschaft: Josef Schmidt aus Erbendorf im Landkreis Tirschenreuth. (Bild: Inge Steidl)
von Redaktion OnetzProfil

Die Gewinner der Oberpfälzer Wiesenmeisterschaft 2014, einem Gemeinschaftsprojekt von BUND Naturschutz in Bayern (BN) und Bayerischer Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL), stehen fest. Den ersten Preis erhält Josef Schmidt aus Erbendorf im Landkreis Tirschenreuth.

Rekordbeteiligung

An der Landwirtschaft nahmen 58 Landwirtschaftsbetriebe teil - eine Rekordbeteiligung. Auch die Spendenbereitschaft der über 30 Unterstützerorganisationen mit Geld-, Sach- und Buchpreisen sei überwältigend gewesen, heißt es in einer Pressemitteilung des BN zur Meisterschaft.

Das Bayerische Fernsehen wird im September in der Sendung „Faszination Wissen“ über die Wiesenmeisterschaft berichten. BN-Landesvorsitzender Hubert Weiger mahnte, dass der Schutz von Wiesen und Weiden mit ihrer hohen Bedeutung nicht nur für die Artenvielfalt, sondern auch für den Boden, das Trinkwasser und den vorbeugenden Hochwasserschutz, endlich auf rechtlich solide Füße
gestellt werden müsse.

Denn noch immer sind wertvolle Grünlandstandorte durch Umbrechen in Ackerflächen oder durch Brachfallen und Aufforsten bedroht. Er appellierte deshalb an die Bayerische Staatsregierung, ein eigenes Grünlandsicherungsprogramm zu beschließen.

Partnerschaft von Naturschutz und Landwirtschaft

Regierungspräsident Axel Bartelt hob in seinem Grußwort die Bedeutung der Landwirtschaft zur Erhaltung der über Jahrhunderte gewachsenen Oberpfälzer Kulturlandschaft mit ihrer Vielfalt an Pflanzen und Tierarten hervor, die mit die Grundlage für den wachsenden heimischen Tourismus sei. Jakob Opperer, Präsident der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft, betonte, dass die Partnerschaft von Naturschutz und Landwirtschaft, die diesen Wettbewerb kennzeichne, immer wichtiger werde, um die gesellschaftlichen Leistungen der Landwirtschaft deutlich zu machen.

Martin Neumeyer, Amtschef aus dem bayerischen Landwirtschaftsministerium, wies darauf hin, dass das Bayerische Kulturlandschaftsprogramm (KULAP) ab 2015 noch besser ausgestaltet sein werde. Speziell für extensives und artenreiches Grünland werde neben der Fortführung bewährter Maßnahmen ab 2015 eine zusätzliche Maßnahme für die Förderung artenreicher Grünlandbestände mit Hilfe leicht bestimmbarer Kennarten angeboten. Auch für extensive Grünlandnutzung an Waldrändern und zur Stützung der traditionellen Heugewinnung (Heumilch) werde es neue Förderangebote geben. Das Bayerische Kulturlandschaftsprogramm ist das mit Abstand größte und am besten ausgestattete Agrarumweltprogramm in Deutschland.

Erster Preis für Mähweide "Grenzmühle"

Den ersten Preis erhielt Josef Schmidt aus Erbendorf (Foto), Landkreis Tirschenreuth. Der Rotviehzüchter aus dem Steinwald überzeugte die Jury mit seinem umfassenden Konzept einer besonders naturschutzgerechten Beweidung mit dem vom Aussterben bedrohten Roten Höhenvieh sowie einigen Pferden. Auf der prämierten Mähweide „Grenzmühle“ mit landschaftsprägenden Einzelbäumen und anstehenden Granitbuckeln fanden sich 52 verschiedene Kräuter und Leguminosen. Unter den Charakterarten dieser selten gewordenen Bergwiesen und Borstgrasrasen-Gesellschaften fanden sich unter anderem Heidenelke, Pechnelke, Echter Ehrenpreis und Blutwurz. Besonders hervorzuheben ist die stark gefährdete Ästige Mondraute.

Die Schmidts sind dabei, ihren Mutterkuhbetrieb mit Getreide-, Gemüseanbau und Kleinviehhaltung über die Direktvermarktung und feste Verbraucherkontakte weiter auszubauen. Der seit 2011 auf Bio umgestellte Betrieb mit seinen 45 ha Wiesen und Weiden sowie 15 ha Acker mit Sonderkulturen steht als „Demonstrationsbetrieb Ökolandbau“ auch Schulklassen offen. Im Hofladen werden frisches Gemüse und Eier, hochwertiges Rind- und Schweinefleisch sowie alte Getreidesorten wie Dinkel, Emmer oder Einkorn vermarktet. Die Familie freut sich über einen Gutschein im Wert von 500 € für einen Aufenthalt im BioHotel.

Seltene und gefährdete Arten

Den zweiten Preis, einen BioHotelaufenthalt im Wert von 350 Euro, erhielt Anton Karl aus Gleißenberg im Landkreis Cham für seine 4 ha große „Berghof-Wiese“. Die hoch über dem Ort gelegene Waldwiese mit schöner Aussicht ist vielfältig strukturiert und zeichnet sich durch zahlreiche seltene und gefährdete Arten aus.

Der dritte Platz ging ebenfalls in den Landkreis Cham zur Familie Pammer aus Falkenstein. Der Milchvieh-Betrieb setzt ganz auf Grünland (17,5 ha). Ausgezeichnet wurde die mit vielen Felsbuckeln durchsetzte „Große Wiese“ (1,5 Hektar), auf der noch typische Arten der mageren Bergwiesen und Sandrasen vorkommen. Auf dem schwer zu bewirtschaftenden Steilhang ist teilweise Handarbeit nötig. Lohn der Mühe ist ein Geldpreis von 100 Euro.

Den vierten Platz erreicht hat die Familie Koschta aus Kulmain im Landkreis Tirschenreuth mit ihrer knapp 1,5 ha großen teilweise ebenfalls schwer zu bewirtschaftenden „Bergwiese“ mit zahlreichen Arten der mageren Bergwiesen (z. B. Kreuzblümchen, Pechnelke). Der Milchvieh-Betrieb mit 108 ha landwirtschaftlicher Nutzfläche (davon 48 ha Grünland) ist seit 2008 bei Naturland.

Schwandorfer belegt fünften Platz

Auf dem fünften Platz landete Martin Mayer aus Schwandorf (ebenfalls Milchvieh-Betrieb im Vollerwerb mit 95 ha LN, darunter 20 ha Grünland) mit der Waldwiese „Pfeiderl“. Besonders bemerkenswert ist der kräuterreiche, als artenreiche Salbei-Glatthaferwiese ausgebildete Oberhang.

Jeweils sechste Preise gingen in die Landkreise Schwandorf (8), Cham (7), Tirschenreuth (3) und Neustadt/Waldnaab (2).

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