03.09.2014 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Stipendiatin an einer schwedischen Folkhögskola "Ta det lugnt och ha det roligt!"

Die letzte Lektion des Kurses. Aus den Lautsprechern ertönt die Titelmusik zu Pippi Langstrumpf. Die Tür geht auf und eine der beiden Lehrerinnen verteilt Zimtschnecken an alle - verkleidet als Pippi. Dabei hatten sie den Tag als "anstrengende Kurseinheit" angekündigt. Der dreiwöchige Literaturkurs in Schweden war eben doch etwas anderes, als ich erwartet hatte: "Ta det lugnt och ha det roligt!" (Lass es ruhig angehen und hab Spaß dabei!).

Eindeutig entspannender auf Schwedens Nationalsymbol, dem "Dalarhäst", zu reiten, als es selbst zu schnitzen. Bild:gme
von Autor GMEProfil

Und Spaß hatten wir, die 42 Stipendiaten. Aus beinahe der ganzen Welt waren wir nach Malung (Provinz Dalarna), eine kleine schwedische Stadt rund 350 Kilometer nordwestlich von Stockholm, gekommen, um uns "kreativ mit der Sprache zu treffen". Vor allem schwedische Literatur sollte im Fokus stehen, aber ganz nach der Philosophie einer schwedischen Folkhögskola angereichert mit Element wie Volkstanz, Musik und Schmiede.

Das wirkliche Ausmaß der Kreativität überraschte uns aber alle: Die meisten studierten Skandinavistik oder Schwedisch an einer Universität in ihrem Heimatland und waren Anforderungen gewohnt, wie sie etwa bei Literaturanalysen gefordert werden.

Stattdessen: Gruppenarbeiten, szenische Darstellungen und als Höhepunkt das Schreiben einer eigenen Novelle. Es war freigestellt, ob man im Team oder alleine schreiben wollte - nur schwedisch musste es sein. Viele Paare trennten sich wieder. Zu unterschiedlich waren oft - auch kulturell bedingt - die Vorstellungen. Das tat aber dem tollen Gemeinschaftssinn keinen Abbruch.

Viele Freundschaften

Und Freundschaften entwickelten sich schnell. Wir hatten viel Freizeit, die wir meist alle gemeinsam verbrachten und zu einem der zahlreichen Badeseen radelten. Viele andere Möglichkeiten blieben uns neben der Beschäftigung in der Schule selbst auch gar nicht, denn in Schweden gibt es mehr Natur als Menschen. Auch Malung ist von endlosen Wäldern umgeben, die wir auf dem Weg zu unseren Ausflügen durchqueren mussten.

Trotz angestrengten Blicken aus dem Busfenster versteckten sich die von der Leiterin angekündigten Elche konsequent vor uns. Dafür lernten wir Nils Holgerssons Wildgänse kennen, wenn auch nur im Theater. In freier Wildbahn werden die Tiere nämlich immer seltener.

"Dalarhästar", die reich verzierten, roten Holzpferdchen, gibt es dafür umso häufiger. Als Schwedens "Nationalsymbol" werden sie in Handarbeit in der Region Dalarna hergestellt. Der Begriff ist nicht geschützt und so kann im Prinzip jeder seine eigene Werkstatt aufmachen. "Es ist allerdings schwer, sich zu etablieren", erklärte ein Mitarbeiter beim Besuch in einer Traditionswerkstatt. Noch schwieriger ist es, ein Pferdchen selbst zu schnitzen und keinen blutigen Daumen zu bekommen.

Auch wenn ich mir etwas mehr Sprachunterricht erwartet hatte, fällt das Resümee durchwegs positiv aus: Durch die ständige Kommunikation auf Schwedisch als gemeinsamer Sprache fängt man an, schwedisch zu denken. Zumindest wenn die Anfangsschwierigkeiten überwunden sind. Das ständige Umdenken strengte am Anfang so an, dass wir permanent müde waren und die gemeinsamen Mahlzeiten oft schweigsam waren. Aber das legte sich bald. Schwedische Bücher und Zeitungsartikel lasen sich so flüssig wie deutsche. Die Schweden selbst bei normaler Redegeschwindigkeit zu verstehen, war ebenfalls problemlos möglich.

Auch wenn ich im Flieger von Stockholm nach Frankfurt lieber darauf verzichtet hätte, die Ansagen des schwedischen Personals zu verstehen. Denn damit waren drei wunderbare Wochen in Schweden leider vorbei. (Hintergrund)

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