05.09.2015 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Strauß stoppte sich selbst Angemerkt

von Jürgen Herda Kontakt Profil

"Mich können Sie nicht stoppen", brüllte Franz Josef Strauß bei der Kanzlerschlacht 1980 seinen johlenden Gegnern zu. "Ich bin da." Der Koloss der Maxvorstadt, das meinte auch seine Frau Marianne, war kaum zu bändigen.

Es gibt politische Kaliber, die man erst richtig sieht, wenn der Pulverdampf verraucht ist. Napoléon wird man nicht gerecht, wenn man ihn nur am wahnwitzigen Russlandfeldzug misst. Von dessen Opfern zu verlangen, sie sollten seine Verdienste für die Republik würdigen, ist zu viel verlangt - so wie eine Verneigung des drangsalierten Hans Schuierers vor FJS zu viel verlangt ist.

"Franz Josef Strauß ist ein Mann mit vielen Talenten", sagte sein großer Widersacher Helmut Schmidt. Aber er schoss übers Ziel hinaus. Der Überflieger, der das Grauen des Kriegs selbst erlebte, wollte Deutschland gleich zur Atommacht aufrüsten. Er bestellte mehr abstürzende Starfighter als die Bundeswehr wollte. Als Wahlkämpfer radikalisierte er Schüler und Studenten, weil er sie als "Göbbels beste Schüler" beschimpfte.

Strauß stoppte sich so selbst. Er war der beste Kanzler, den Deutschland nie hatte.

Hintergrund

Gedenkmarathon für CSU-Denkmal

München. (dpa) "Er war einer der Baumeister der Bundesrepublik", würdigte CSU-Chef Horst Seehofer Franz-Josef Strauß am Freitagnachmittag beim Staatsempfang in der Residenz als herausragenden Staatsmann. Zuvor war CSU-Ehrenvorsitzende Edmund Stoiber Hauptredner bei der Gedenkfeier der Hanns-Seidel-Stiftung zum 100. Geburtstag des früheren Ministerpräsidenten. Den Terminen blieb die Opposition aus Protest fern. Am Sonntag lädt die CSU zur Gedenkfeier in Rott am Inn ein, wo der Ex-Parteichef begraben ist. Abschluss des Gedenkmarathons ist eine Feier kommende Woche in Berlin.

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