08.11.2004 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Studie "Deutschland 2020": Bevölkerung schrumpft Einsames Leben in der Oberpfalz

Der Wanderer im Steinwald - er könnte in gut 20 Jahren noch ein bisschen einsamer sein, als er jetzt schon ist. Die Bevölkerung im Norden der Oberpfalz soll, glaubt man einer Prognose des Berlin-Institutes für Weltbevölkerung, bis 2020 drastisch schrumpfen.

von Uli Piehler Kontakt Profil

Die Berliner Forscher kommen zu dem Schluss, dass der Norden der Oberpfalz zu den Verlierern des "demographischen Wandels" gehört - so wie nahezu ganz Ostdeutschland und die meisten Randgebiete Bayerns. Ihr Fazit: Die Deutschen werden immer weniger, junge Menschen zieht es in die Ballungsräume.

Neumarkt der Primus

Drei "Zentren der Innovation" macht das Institut für den Freistaat Bayern aus: Die beiden Großräume München und Nürnberg sowie die Region Ingolstadt-Eichstätt. Letzteres soll auch positiv auf den Südwesten der Oberpfalz ausstrahlen: Die Kreise Neumarkt und Regensburg kommen in der Studie mit einem blauen Auge davon. Weniger erquicklich stellen sich dagegen die Aussichten für die Stadt Amberg dar. Bei der Bewertung der "Zukunftsfähigkeit" bekommt sie die Note 3,95 - die schlechteste Bewertung für eine kreisfreie Stadt oder einen Landkreis in der Oberpfalz. Nicht viel besser sieht es für den Kreis Tirschenreuth aus. Er hat die Note 3,82 bekommen.

Auch Weiden tut sich nicht besonders hervor: Eine 3,77 gibt es für die "Zukunftsfähigkeit" der Stadt. Es folgen die Kreise Neustadt/Waldnaab und Schwandorf (beide 3,5), Cham (3,45) und Amberg-Sulzbach (3,27). Immerhin: Amberg-Sulzbach liegt damit über dem bayerischen Durchschnitt von 3,39. Oberpfälzer Primus ist aber der Kreis Neumarkt. Mit einer Note von 2,82 gehört er sogar zu den bayerischen "Top Ten".

Das Berlin-Institut hat die Bewertungen nach dem Schulnoten-Prinzip vergeben: von 1 für "sehr gut" bis 6 für "ungenügend". Die Oberpfalz - ein mittelmäßiger Schüler im insgesamt vorbildlichen Bayern. Weiter nördlich sacken die Noten noch weiter ab: Bayerisches Schlusslicht ist der Landkreis Wunsiedel mit einem Wert von 4,5. Und tief im Osten der Republik zeigt sich ein die prekäre Situation fast flächendeckend. Der thüringische Landkreis Altenberger Land schlittert zum Beispiel nur knapp an einer glatten Fünf vorbei.

Komplizierter Schlüssel

Für die Ermittlung der "Zukunftsfährigkeit" haben die Forscher einen komplizierten Schlüssel entwickelt. Die durchschnittliche Kinderzahl je Frau ist dabei von Belang, ebenso wie der prozentuale Anteil der unter 20-Jährigen. Außerdem fließen Wirtschaftsindikatoren, Kennzahlen aus den Bereichen Bildung, Familienfreundlichkeit, Integration und Flächennutzung in die Bewertung mit ein.

Trost für die Oberpfalz: Prognosen stützen sich immer nur auf vorhandenes, in einem Jahr veraltetes Zahlenmaterial. In den 60er Jahren sagten Wissenschaftler der Bundesrepublik ein geradezu exorbitantes Bevölkerungswachstum voraus. Prognosen müssen sich nicht immer erfüllen.

Weitere Informationen im Internet:

www.berlin-institut.org

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