Studie: Schneekanonen retten Tourismus nicht
Bayerns Skigebiete rüsten auf

Laut Studie müssen die Kunstschneemengen massiv erhöht werden: In den nächsten 15 bis 25 Jahren um ein Drittel und bis 2080 um das zwei bis dreifache - mit entsprechend großem Energie-, Wasser- und Kostenbedarf. Bild: dpa
Bayerns Skigebiete rüsten auf: Schneekanonen und -Lanzen sollen den Wintersport in schneearmen Zeiten sichern. Eine Studie kommt aber erneut zu dem Schluss: Mit steigender Erwärmung durch den Klimawandel werden die meisten Gebiete langfristig nicht schneesicher sein.

München. (dpa) Auch eine ganze Armada von Schneekanonen kann die meisten bayerischen Skigebiete einer neuen Studie zufolge nicht dauerhaft vor den Folgen des Klimawandels für den Betrieb bewahren. Selbst wenn die Pisten zu 100 Prozent beschneit würden, wären langfristig bei einer Erwärmung von vier Grad nur die Skigebiete in Garmisch um die Zugspitze sowie in Oberstdorf mit Fell- und Nebelhorn schneesicher, ergab die am Donnerstag vorgestellte Studie im Auftrag des Deutschen Alpenvereins (DAV).

Die neue Studie, die das österreichische Forschungszentrum AlpS GmbH mit der Universität Innsbruck erstellt hat, bezieht erstmals Kunstschnee ein. Dieser könne die Entwicklung aber nur anfänglich abfedern. Bei einer Erwärmung von vier Grad, die nach Expertenmeinung Ende des Jahrhunderts erreicht sein könnte, kommt die Studie dann zu ähnlichen Ergebnissen wie frühere Untersuchungen. Laut OECD etwa wäre dann in Deutschland nur die Zugspitze schneesicher.

«Mittel- bis langfristig wird die Beschneiung keine Lösung für die meisten Skigebiete sein», sagte der Mitautor der DAV-Studie, Robert Steiger. Die Liftbetreiber argumentieren hingegen seit langem, derartige Studien seien Prognosen, deren Eintreffen nicht sicher sei. Man könne Investitionen nicht stoppen für Szenarien, die vielleicht in 30 Jahren einträten. Dann wären die Anlagen ohnehin abgeschrieben.

Der DAV verlangt hingegen, Beschneiungsanlagen nicht mehr zu subventionieren und ökologische Kriterien bei der Genehmigung stärker zu gewichten. Zudem müssten alternative Tourismuskonzepte entwickelt werden. «Man muss das jetzt anstoßen, damit man nicht reagiert, sondern agiert», sagte Hanspeter Mair von der DAV-Geschäftsleitung.

Bei einem Plus von zwei Grad, die um die Mitte des Jahrhunderts für möglich gehalten wird, seien je nach Ansatz mit Kunstschnee noch neun bis 30 Prozent der Skigebiete schneesicher. Als Maßstab für Schneesicherheit gilt der Skibetrieb in den für den Umsatz wichtigen Weihnachtsferien oder ein Skibetrieb an mindestens 100 Tagen. Auch müssten laut Studie die Kunstschneemengen massiv erhöht werden: In den nächsten 15 bis 25 Jahren um ein Drittel und bis 2080 um das zwei bis dreifache - mit entsprechend großem Energie-, Wasser- und Kostenbedarf.
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