13.02.2004 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Tagung in Amberg: IG Metall will Dialog mit tschechischer Gewerkschaft ausbauen - Sorgen vor ... Neugebauer: "Hier herrscht oft geplante Sprachlosigkeit"

von Uli Piehler Kontakt Profil

Auf der "Management-Ebene" läuft die deutsch-tschechische Kooperation bereits. Bei der breiten Bevölkerung gibt es nach Auffassung der IG Metall und ihres tschechischen Pendants KOVO hingegen noch tief greifende Defizite. "Hier herrscht oft geplante Sprachlosigkeit", sagte der der Bezirksleiter der IG Metall Bayern, Werner Neugebauer, bei einer Tagung deutscher und tschechischer Gewerkschafter in Amberg. Wenn das Verständnis untereinander besser werden soll, müsse der Dialog über die bestehenden Projekt hinaus forciert werden, erklärte Neugebauer. "Nachbarn und Interessenvertretungen verstehen sich nur, wenn sie intensiv miteinander reden." Der KOVO-Vorsitzende Jan Uhlir pflichtete ihm bei: "Die Kommunikation zwischen den Arbeitnehmern ist viel effektiver als die gegenseitigen Umarmungen der Politiker".

Damit es zwischen Deutschen und Tschechen nicht beim "Beschnuppern" bleibt, sondern dauerhafte und fruchtbare Kontakte aufgebaut werden können, forderten Neugebauer und Uhlir eine ganze Reihe von zusätzlichen Maßnahmen: nicht nur Schüleraustausche, sondern auch deutsch-tschechische Betriebspraktika, Mitarbeiter-Workshops und Sprachkurse. "Investiert in die sprachliche Verständigung", forderte er die Unternehmer auf. "Sie ist die Grundlage für Vertrauen und Verständigung."

Die meisten Befürchtungen in Zusammenhang mit der EU-Osterweiterung am 1. Mai seien unbegründet, sagte Neugebauer. Er präsentierte bei der Tagung eine Studie des Münchner Instituts für sozialwissenschaftliche Forschung (ISF), die die Angst vor einem bevorstehenden "Exodus" tschechischer Arbeitnehmer als Schreckgespenst entlarvt. "Die vereinbarten Übergangsregelungen für die Arbeitnehmerfreizügigkeit reichen völlig aus", heißt es in der Studie.

Jan Uhlir unterstützte diese These. "Für die Arbeitnehmer in Tschechien gibt es kaum noch Motive, nach Deutschland zu pendeln", sagte er. Für beide Länder sei nicht die Migration der Arbeitskräfte, sondern vielmehr die Verlagerung von Produktionsstätten das Problem. "Das führt bei uns in Tschechien zu einem Steuerdumping, das die Allgemeinheit ausbaden muss".

Uhlir ist sich sicher: "Der deutsch-tschechische Wirtschaftsraum muss nach dem 1. Mai nicht mehr geschaffen werden. Den gibt es schon". Nur in die Köpfe der Menschen dies- und jenseits der Grenze habe diese Sichtweise noch keinen Eingang gefunden.

Die ISF-Studie im Internet:

www.isf-muenchen.de/projekte/Eu_Ost.html

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