05.10.2007 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Tirschenreuth laut Prognos-Studie zurückgefallen Nordoberpfalz als Familien-Ödland

Die Zahlenjongleure von der Prognos AG stufen die nördliche Oberpfalz nicht nur als "gefährdete Region" ein. Sie bezeichnen sie als bereits "zurückgefallen". Im Familienatlas 2007 gilt der Landkreis Tirschenreuth einmal mehr als Sorgenkind der Nation. Diesmal bei der Attraktivität des Standorts für Familien.

von Uli Piehler Kontakt Profil

Der Vergleich zwischen den 439 deutschen Landkreisen und kreisfreien Städten soll den Kommunen "eine differenzierte Standortbestimmung ihrer Lebens- und Umfeldbedingungen für Familien" ermöglichen, sagte Prognos-Geschäftsführer Christian Böllhof in Berlin. Er und Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) stellte das Werk am Donnerstag vor.

Ungenauigkeiten

Doch der Atlas weist bei näherem Hinsehen erhebliche Ungenauigkeiten auf. Im Bereich Bildung und Ausbildung beispielsweise belegt die Stadt Weiden mit ihren drei Gymnasien und der Fachhochschule den fünftschlechtesten Platz bundesweit (Rang 434 von 439). Den Landkreis Amberg-Sulzbach dagegen gruppieren die Trendforscher aus Basel in der gleichen Kategorie im oberen Drittel ein - Platz 195. Wie kommt eine solche Bewertung zustande? Die Prognos AG bedient sich offizieller Zahlen (teilweise aus den Jahren 2005/06), wie etwa der Schülerstatistik oder der Arbeitsmarktdaten. Für den Bewertungsbereich Bildung verwendet Prognos aber nur Zahlen von allgemeinbildenden Schulen. Die FH fällt für den Standort Weiden damit unter den Tisch. Gleichzeitig zählen aber die ausgesprochen schlechten Werte des Weidener Lehrstellenmarktes.

Kritik vom Städtebund

Eine ähnliche Schere öffnet sich bei der Bewertung der Freizeitangebote für Kinder und Jugendliche. Während hier der Landkreis Tirschenreuth seine besten Noten einfährt (Platz 158), schneidet der Kreis Amberg-Sulzbach mit Platz 424 geradezu vernichtend ab. Dabei nahm in Hirschau im Sommer einer der größten Freizeitparks der Region den Betrieb auf. Für den Familienatlas irrelevant, denn als Indikatoren gelten die Zahl der fest angestellten Pädagogen in der Jugendarbeit, der Anteil der Kinder in Sportvereinen, der Musikschüler-Anteil, Bibliotheks-Entleihungen und die Zahl der Kinosäle pro 100 000 Einwohner. Die Kritik für solche Methodik kam postwendend: Der Geschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebundes, Gerd Landsberg, warnte davor, die Ergebnisse überzubewerten. Das subjektive Wohlbefinden einer Familie könne durchaus anders aussehen, als in der Studie verallgemeinernd dargestellt.

In der Gesamtbetrachtung bescheinigt der Familienatlas den Kreisen Amberg-Sulzbach, Cham, Neumarkt, Neustadt/WN, und Schwandorf sowie der Stadt Amberg Stagnation. Die Kommunen werden als "passiv" bezeichnet. Die Stadt Weiden gilt bereits als "gefährdet" und der Kreis Tirschenreuth als "zurückgefallen". Die Attribute "stabil" und "aufstrebend" ernten Kreis und Stadt Regensburg.

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