04.09.2014 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Touristen mit teuren Mobilgeräten und Rucksäcke als Zielobjekte - Kaum große Geldsummen Taschendiebe lieben Smartphones

Der Blick der Jäger entscheidet ebenso wie ihre Taktik. Kriminalhauptkommissar Patrick Schwarz weiß aus Erfahrung, worauf es bei der Suche nach Taschendieben ankommt: "Gute Fahnder müssen die Kunst beherrschen, Diebe zu erkennen. Und das Geschick, sich unauffällig zu bewegen und sie im Blick zu behalten."

Das Smartphone gezückt: Touristenattraktionen ziehen Millionen zahlungskräftige Besucher an - und auch Taschendiebe. Bild: dpa
von Agentur DPAProfil

Der 45-jährige Schwarz führt seit vier Jahren 20 Fahnder des Berliner Landeskriminalamtes im Bereich Taschendiebstahl an. Er trägt die Haare kurz, ist gut gebräunt und muskulös. Sein T-Shirt verdeckt kaum eine auffällige Tätowierung auf dem Oberarm. Früher kümmerte er sich um Fußball-Hooligans, nun sind es Taschendiebe, deren Gewerbe boomt.

Mit einem alten Peugeot fährt Schwarz Ende August die Berliner Innenstadt ab. Über ein Smartphone hält er Kontakt zu den Fahndungstrupps. Dabei erzählt er von Taschendieben, die zur Ablenkung rempeln oder Stadtpläne zeigen, Handtaschen leerräumen oder abschneiden. Besonders beliebt sei derzeit der "Abdecker-Trick". Der Täter zeigt eine Broschüre oder Spendenliste und greift darunter nach dem Handy, das auf dem Restauranttisch liegt. 25 Smartphones seien so kürzlich an einem Tag in Berlin gestohlen worden.

Hohe Dunkelziffer

Etwa 136 000 Taschendiebstähle wurden 2013 in Deutschland registriert. Das sind über 18 000 mehr als im Vorjahr (plus 15,6 Prozent), wie eine Auswertung der Polizei-Statistiken ergab. Dabei gehen Polizisten von einer Dunkelziffer aus, die noch einmal so hoch ist. Wenig überraschend: Taschendiebe fühlen sich in Großstädten am wohlsten. Dabei variieren die Zahlen stark. Berlin steht nach absoluten Zahlen mit 20 800 Taschendiebstählen ganz oben.

In Relation zu den Einwohnerzahlen schlagen die Diebe aber in Düsseldorf, Köln, Hamburg und Dortmund häufiger zu. Düsseldorf kommt auf 1400 registrierte Taten je 100 000 Einwohner und steht damit schlechter da als Berlin (600 Delikte). Oder als München, wo es nur 206 Anzeigen gab. Die bayerische Justiz verhänge sofort Gefängnisstrafen: "Das spricht sich rum."

Schwarz kennt die potenziellen Opfer: "Ältere Menschen, Frauen mit Handtaschen und Touristen werden gerne genommen." Diebe würden gezielt Schwächere aussuchen, wie betrunkene Männer in U-Bahnen. Asiatische Touristen sind gefährdet, weil sie oft viel Bargeld dabei haben. Aufseiten der Diebe sind es Einzeltäter, Pärchen, Gruppen und Familien. "Fast ausschließlich haben wir mit reisenden Tätern zu tun, die in ganz Europa unterwegs sind", sagt Schwarz. Das gelte für das ganze Jahr, die klassische Hauptsaison im Sommer gebe es nicht mehr. Ohne Vorurteile schüren zu wollen, sei eindeutig: "Taschendiebstahl ist ein gelerntes Handwerk, da gibt es richtige Ausbildungen, die wir beobachten. Das kommt aus ärmeren Regionen - Osteuropa und Nordafrika."

Oktoberfest lockt

Die Aufklärungsquote ist niedrig, in Berlin gerade mal bei 3,6 Prozent und in München 13 Prozent. Das dortige Oktoberfest ist für Taschendiebe so verlockend wie das WM-Endspiel für Fußballfans. Schwarz schickt jedes Jahr acht Kollegen dorthin. Zum Arbeiten.

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