Umfrage: Überraschend viele Jugendliche wären zu politischem Engagement bereit
Das Interesse wird nicht erwidert

Jeder zweite Jugendliche würde sich nach einer Umfrage politisch engagieren. Wie aus einer in Berlin vorgestellten Studie des Deutschen Kinderhilfswerks hervorgeht, sehen die Jugendlichen ihre Interessen aber nicht hinreichend von der Politik erwidert.

Zwei Drittel der interviewten Kinder und Jugendlichen hatten den Eindruck, dass sich die Bundesregierung zu wenig für ihre Belange interessiert. Mit Blick auf die Kommunalpolitik waren sogar 85 Prozent dieser Ansicht.

Der Schein trügt

Für die Studie befragte das Meinungsforschungsinstitut "iconkids and youth, international research" 830 Kinder und Jugendliche zwischen 10 und 17 Jahren. Nach Angaben des Präsidenten des Hilfswerks, Thomas Krüger, lässt sich bei vielen Jugendlichen ein "signifikantes politisches Interesse nachweisen", das wiederum mit dem Bildungsgrad zunimmt. "Politikverdrossenheit herrscht bei Jugendlichen nur auf den ersten Blick." Krüger sprach sich für eine Herabsetzung des Wahlalters auch auf Bundesebene auf 16 Jahre und langfristig auf 14 Jahre aus.

Bei den Formen des politischen Engagements nannte jeder Vierte ein konkretes Projekt von Stadt und Gemeinde, 21 Prozent die Möglichkeit einer Mitbestimmung über Internet und 10 Prozent die Mitarbeit in einem Jugendparlament. 9 Prozent nannten Parteien, sofern sich diese stärker für sie interessierten.
Weit mehr als die Hälfte der Kinder und Jugendlichen gab zugleich an, dass sie in der Schule "gar nicht mitbestimmen" können. Der Bundesgeschäftsführer des Kinderhilfswerks, Holger Hofmann, beklagte ein "großes Informationsdefizit" über die Möglichkeiten eines politischen Engagements. Bei der Umfrage wusste die Hälfte der Befragten nicht, ob es überhaupt ein Jugendparlament am Ort gibt, wobei etwa genauso viele dies als "gute Idee" bewerteten. Und drei von vier Heranwachsenden wussten nicht ob ein Kinder- und Jugendbüro in ihrer Umgebung vorhanden ist.

Vertrauen in Lehrer

Das Faktenwissen sei "grundsätzlich höher als das Wissen über Mitbestimmungsmöglichkeiten", so Krüger. Hauptinformationsquelle für politische Fragen sind mit 58 Prozent Schule und Lehrer. Danach kommen für 37 Prozent das Elternhaus und für jeden Vierten Freunde. Erst dann folgen die Medien: an erster Stelle das Internet mit 14 Prozent, dann die Tageszeitungen mit 12 Prozent. Für Krüger ist dies ein "starkes Plädoyer" für die Fächer Politik, Geschichte und Sozialkunde.
Einen "Knick" beim Engagement verzeichnet die Studie im Alter von 15 Jahren. Krüger führt dies auf die Pubertät und die höheren Schulanforderungen zurück. Laut Umfrage engagieren sich 63 Prozent der Jugendlichen in Schule, Vereinen oder Initiativen. Für gut die Hälfte ist dies der Sportverein. Bei etwa 10 Prozent ist es die Schülermitverantwortung und bei ebenso vielen sind es Kulturvereine oder Eigeninitiativen. Vier Prozent sind kirchlich engagiert.
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