09.02.2007 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Ungewöhnliche Begegnung im Kloster Waldsassen: TV-Star Jutta Speidel trifft Äbtissin Laetitia ...: Gleich im Geist, anders im Leben

TV-Star Jutta Speidel und Äbtissin Laetitia Fech sprechen voller Bewunderung und Sympathie voneinander, als sie sich am Donnerstag erstmals im Kloster Waldsassen treffen. Die eine spielte fünf Jahre lang die "Schwester Lotte" in der ARD-Serie "Um Himmels Willen", die andere leitet seit zwölf Jahren die Zisterzienserinnen-Abtei im Stiftland.

Äbtissin Laetitia Fech (links) zeigt Jutta Speidel (Mitte) und deren Mutter Gerlinde die Klosterbibliothek. (Bilder: Norbert Grüner)
von Frank Werner Kontakt Profil

Jutta Speidel, im Jaguar-Cabriolet aus München angereist, hatte auch ihre Mutter Gerlinde und den Hund Gino mitgebracht. Den kleinen Mischling, den ein Münchner Student in Italien vor den Kugeln eines Jägers rettete und der so auf Umwegen ins Hause Speidel kam, hatte die Ordensfrau gleich ins Herz geschlossen und streichelte ihn kräftig. Die 49-jährige Äbtissin outete sich gleich als Tier-Freundin: "Schließlich haben wir auch einen Hasen im Kloster."

So waren es nicht nur die großen Dinge, welche die TV-Klosterfrau und die "echte" Äbtissin verbinden. Jutta Speidel leitet seit zehn Jahren die Initiative "Horizont", die sich um obdachlose Mütter und ihre Kinder kümmert. Ein kleines Unternehmen, immerhin mit einem Budget von 3,6 Millionen Euro. Laetitia Fech ist verantwortlich für 20 Angestellte und bewältigt die Sanierung des Klosters Waldsassen, die bis zum Jahr 2010 abgeschlossen werden soll. Kosten: 40 Millionen Euro. Was Jutta Speidel mächtigen Respekt abverlangt: "Bei dieser Summe wäre mir schwindlig." Aber auch die Äbtissin gesteht: "Das ist schon ein Riesen-Kraftakt, der bis an die Grenzen der Belastbarkeit geht."

Serie "sehr geschätzt"

Die 52-jährige Schauspielerin stieg im vergangenen Jahr aus der Kloster-Serie aus, weil sie etwas Neues machen wollte. Im Quoten-Hit "Um Himmels Willen" (über sieben Millionen Zuschauer) wollte sie auf keinen Fall "den Schwestern auf den Schlips treten und den Berufsstand verunglimpfen". Dies sei ihr offenbar auch gelungen, denn sie hätte "so viele positive Reaktionen bekommen". Für die Äbtissin durchaus nachvollziehbar, denn auch sie habe die Serie "sehr geschätzt": "Das ist alles sehr echt, sehr realitätsnah. Tolle Charaktere - wie im echten Klosterleben."

Ordensschwester spielen und sein sind natürlich gleichwohl zwei paar Stiefel: Für Jutta Speidel war klar, "dass das nicht mein Leben ist". Aber als katholisch erzogene Bayerin sei es für sie kein Problem gewesen, die Rolle authentisch zu spielen: "Der Glaube ist da. Für mich war das deshalb alles ganz natürlich." Die zweifache Mutter, die mit dem italienischen Schauspieler Bruno Maccallini liiert ist (bekannt aus der Cappuccino-Werbung, "Isch 'abe gar kein Auto"), hat gerade in Rom den Vierteiler "Donna Roma" gedreht. Sendetermin der März. Im April steht sie für ein Kindermädchen in Prag vor der Kamera - eine viel beschäftigte Frau. Hund Gino - so verrät Mama Gerlinde, ist bei den Drehs übrigens immer dabei.

Die Initiative "Horizont" ist seit Januar 2007 eine Stiftung. Speidel meint: "Aus einem Hausfrauenverein ist ein professionelles Unternehmen geworden." In 24 Appartements werden die Frauen mit den Kindern untergebracht. Das Haus wurde interreligiös geweiht, der unterschiedliche Glaube der Bewohnerinnen und ihrer Kinder spiele bei den Problemen dort wahrlich keine Rolle.

Äbtissin Laetitia nötigte Speidel größten Respekt ab: "Sie helfen Menschen, die am Rande des Lebens stehen." Als sie 1995 zur Äbtissin gewählt wurde, war ihr größter Wunsch, das Kloster mit Leben zu erfüllen. Sie ist auf einem guten Weg dorthin: Elf Schwestern leben mittlerweile dort. Im nächsten Jahr feiert das Kloster 875-jähriges Jubiläum, das mit der Eröffnung des Klosterladens und Gästehauses St. Josef groß gefeiert wird.

"Ein bisschen chillig"

Jutta Speidel und Mutter Gerlinde bekamen ein paar Schmankerl des Klosters und eine CD - besungen von den Ordensschwestern - mit auf den Weg nach Hause. Auch die Schauspielerin überreichte der Äbtissin eine CD: "Das Hohelied der Liebe", auf der Texte des Alten Testament vertont sind. "Ist ein bisschen chillig. Da wissen Sie jetzt nicht, was das ist", meinte Speidel. In der Tat Kopfschütteln bei Laetitia. "Ich hoffe, Sie haben einen CD-Player," fragte der TV-Star nach. Die Äbtissin empört: "Aber was glauben Sie ..." Das Leben hinter Klostermauern - irgendwie doch nicht ganz so, wie es Jutta Speidel sich vorstellt.

Weitere Informationen

: www.horizont-ev.org und www.abtei-waldsassen.de

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