30.12.2011 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Unikat auf dem Stadtfriedhof erinnert an Landrichter Denkmal der Liebe und des Schmerzes

Jedem Besucher des Nabburger Stadtfriedhofs, der die Haupttreppe benützt, fällt ein prächtiges gusseisernes Grabdenkmal auf. Es steht an der Südseite des romanischen Turms der Friedhofskirche St. Georg. Gewidmet ist das Unikat dem Landrichter Grafenstein, der im 19. Jahrhundert zu "Naabburg" die höchste Beamtenstellung innehatte.

Das gusseiserne Grabdenkmal am Stadtfriedhof steht auf der Südseite des Turms der Friedhofskirche und ist dem Landrichter gewidmet, der in der Stadt im 19. Jahrhundert die höchste Beamtenstellung innehatte. Bild: Eimer
von Autor SEFProfil

Zur Vorgeschichte: 1802 reformierte Kurfürst Max IV. Joseph die bayerischen Amtsbezirke. In der Oberpfalz wurden die 34 Pflegämter auf 16 Landgerichte älterer Ordnung reduziert. Eines davon war in Nabburg angesiedelt. 1803 wurden ihm auch die Ämter Pfreimd, Wernberg und Luhe einverleibt. Damit hatte es immerhin 16 210 Einwohner an 2294 Feuerstellen.

Karl Franz Reisner Freiherr von Lichtenstern, geboren 1776 in der Burg Treswitz und seit 1814 Herr auf Schloss Neusath, wurde zum ersten Nabburger Landrichter berufen. Er war nicht nur für die Gerichtsbarkeit zuständig, sondern stand auch der Verwaltung in seinem weitläufigen Sprengel vor. Am 9. Mai 1807 tauschte er seine angesehene Position mit Johann Eduard von Grafenstein aus Parkstein.

Seit 1554 nachweisbar

Das Geschlecht derer von Grafenstein stammte aus Oberweißenbach bei Vilseck und war dort seit 1554 nachweisbar. 1757 erwarb Johann Georg Graf das Landsassengut Gänlas. Dieses alte Besitztum gehörte einst zum Benediktinerkloster Michelfeld nahe Auerbach, das 1119 von Bamberg gegründet worden war. In Gänlas stand ein altes Eisenwerk, das bereits in der Hammereinung von 1387 verzeichnet ist. Es hatte - wie die 82 anderen Oberpfälzer Hammerwerke - die Funktion, das in den Gruben von Sulzbach und Amberg gewonnene Erz zu schmelzen und anschließend das Roheisen in Form von Schienen auszuschmieden. Daneben gab es auch noch Blechhämmer, die Schwarzblech produzierten, und Zainhämmer, die dünne, lange Stäbe herstellten und an Nagelschmiede lieferten.
Der Schmelzofen Hammergänlas wurde 1860 nach über 500-jährigem Betrieb niedergeblasen. Doch der Gutsbetrieb bestand weiter. Neben einer ertragreichen Land- und Forstwirtschaft betrieb die Familie von Grafenstein auch eine Brauerei. 1938 war die Herrlichkeit zu Ende: Im Zuge der Erweiterung des Truppenübungsplatzes Grafenwöhr verschwand Hammergänlas von der Bildfläche.

Zurück ins Jahr 1757: Damals ersuchte Johann Georg Graf, Herr von Oberweißenbach, Heringnohe, Altneuhaus, Altenweiher und Gänlas, den Kurfürsten Max III. Joseph um die Verleihung des Adelsprädikats "Nobilitas". Der Landesherr willigte gnädigst ein und befahl 1758 den Landgerichten, Johann Georg Graf "hinführo von Grafenstein zu schreiben und zu nennen".

Wappen für den Edelmann

Wie es sich gehörte, wurde dem neuen Edelmann ein Wappen verliehen: In Rot ein von zwei silbernen Lilien begleiteter goldener Schräglinksbalken, darin ein schwarzer Löwe mit einem silbernen Würfelstein in den Pranken; auf dem Helm der Löwe wachsend zwischen zwei geteilten Hörnern; die Decken rechts schwarz und golden, links rot und silber.
Johann Georg I. von Grafenstein starb 1802 im hohen Alter von 84 Jahren und hinterließ drei Söhne, die allesamt Karriere machten: Johann Georg II., der älteste Sprössling, freute sich über vier Knaben: Georg Michael Ignaz, Johann Eduard (geboren am 14. Oktober 1776), Josef Ferdinand und Andreas Anton.

Johann Eduard heiratete 1801 Anna Maria Ertl, Besitzerin des Landsassengutes Röthenbach bei Kohlberg. Dem Paar wurden in ihrer über 22-jährigen Ehe fünf Kinder geschenkt: Hermann, Susanna, Rosina, Franz und Johanna.

Am 2. Januar 1824 starb Landrichter Johann Eduard von Grafenstein auf Gänlas und Röthenbach im Alter von nur 47 Jahren zu Nabburg. "Dieses Denkmal der Liebe und des Schmerzes widmen dem Unvergesslichen die trauernde Gattin und ihre Kinder": In ehernen Lettern stehen jene rührenden Worte auf der Rückseite des in Bodenwöhr oder Weiherhammer hergestellten gusseisernen Grabdenkmals, das mit Wappen und reichen Verzierungen fast 200 Jahre an der Nabburger Friedhofskirche steht, aber langsam und sicher verrostet!

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